Unizeitung "Standpunkte" WU Wien zur vorläufigen Suspendierung von Prof. Dr. Franz Hörmann
Am 2. Februar 2012 wurde Prof. Dr. Franz Hörmann seitens der Wirtschaftsuniversität Wien (WU) nach Ermittlungen mit sofortiger Wirkung vorläufig vom Dienst suspendiert. Im Vorlauf hatte Hörmann RedakteurInnen der Unizeitung „Standpunkte“ WU Wien zwei Interviews gegeben. Wir haben nachgefragt.
Am 2. Februar 2012 wurde Prof. Dr. Franz Hörmann seitens der Wirtschaftsuniversität Wien (WU) nach umfassenden Ermittlungen mit sofortiger Wirkung vorläufig vom Dienst suspendiert. Dieser Schritt sei die Folge öffentlich getätigter und zweifelhafte Aussagen Hörmanns über den Holocaust, heißt es in der damals herausgegebenen Pressemitteilung der WU.
Im Vorlauf hatte Hörmann RedakteurInnen der Unizeitung „Standpunkte“ zwei Interviews gegeben. Innerhalb des zweiten Interviews habe Hörmann geäußert, dass „die Frage des Genozids zur Zeit des Nationalsozialismus nicht endgültig geklärt“ sei, da es „keine objektive und ideologiefreie Diskussion über diese Frage gab". Auch habe er geäußert, er „habe keine Meinung zu Gaskammern." (Hier Ausführungen der "Standpunkte"-Redakteure) Wir haben nachgefragt. Im Gespräch mit Stefanie Gerold, Susanne Reither und Matthias Nocker, RedakteurInnen der Unizeitung „Standpunkte“ und Studierende der Volkswirtschaft an der Wirtschaftsuniversität Wien. „Standpunkte“ ist ein Projekt von Volkswirtschaftstudierenden an der Wirtschaftsuniversität Wien (WU).
Das Interview mit Prof. Franz Hörmann Anfang des Jahres hat zu heftigen Konsequenzen geführt. Hörmann wurde vom Dienst suspendiert. Er soll in einem (bisher nicht veröffentlichen) Interview mit Ihnen für die Unizeitung „Standpunkte“ zweifelhafte Aussagen getätigt hat. Was waren das für Aussagen?
Hörmann hat sich sehr zweifelhaft über den Holocaust geäußert. Der Genozid zur Zeit des Nationalsozialismus sei für Hörmann nicht endgültig geklärt, da es keine objektive und ideologiefreie Diskussion über diese Frage gegeben habe. Zu Gaskammern äußerte er sich folgendermaßen: Er habe keine Meinung zu Gaskammern, da er nicht dabei gewesen sei.
In Bezug auf die HumanWeg Bewegung, die er gegründet hat, äußerte er sich folgendermaßen: Jede Person, die das gleiche Ziel wie die Bewegung anstrebt, nämlich eine bessere Gesellschaft, kann mit ihm zusammenarbeiten. Nach Hörmann sind etwa Maoisten, Kommunisten, Anarchisten, Nazis und Personen aller anderen Einstellungen in der Bewegung herzlich willkommen. Hörmann sieht deshalb auch keinen Bedarf sich von den Schriften, welche auf der HumanWEG-Homepage veröffentlicht wurden, zu distanzieren. Darin wird etwa von einer „Kriegserklärung des Weltjudentums“ an Deutschland gesprochen oder „die slawisch-germanischen Gruppe“ als berufene Völkergemeinschaften dargestellt.
War der Holocaust das Thema des Interviews oder wie kam es zu speziell dieser Thematik?
Es ist zu erwähnen, dass es zwei Interviews gegeben hat. Bei dem ersten war das Thema Hörmanns zu diesem Zeitpunkt, neu erschienenes Buch „Das Ende des Geldes“. Durch Recherchen über die Person Hörmann sind wir auf die HumanWeg Bewegung (HWB) aufmerksam geworden, bei der Hörmann Gründungsmitglied ist. Während der Bearbeitung des Interviews wurden wir auf eindeutig antisemitische Äußerungen im „HWB-Kurzprospekt 2011“ aufmerksam, welches vom Schweizer Hans-Jürgen Klaussner, ebenfalls Gründungsmitglied und Freund von Hörmann, verfasst wurde.
Daraufhin beschlossen wir ein zweites Interview mit Hörmann zu führen, um ihn zu dieser Bewegung zu befragen. Während des Gesprächs sind wir auch auf andere Mitglieder der Bewegung zu sprechen gekommen, wie z.B. Hans-Jürgen Klaussner, der offenkundig Antisemit ist. Das führte zu Themen wie Ideologien und Werte. Hörmann meinte, dass lediglich die Ziele einer Person von Bedeutung sind, nicht jedoch deren Motive und persönliche Meinungen und dass er mit jeder Person zusammenarbeiten kann, die das gleiche Ziel wie die Bewegung anstrebt, nämlich eine bessere Gesellschaft. Es entwickelte sich eine Diskussion und auch das Verbotsgesetz wurde angesprochen. Im weiteren Verlauf fragten wir ihn nach dem Nationalsozialismus und die Existenz des Holocausts.
Haben Sie Prof. Hörmann direkt auf seine fragwürdigen Äußerungen durch weitere Nachfragen angesprochen?
Wie oben erwähnt entwickelte sich das Interview zu einer Diskussion. Das Thema Holocaust war nur ein Punkt davon.
Da zweite Interview diente Ihrerseits gezielt dazu, Hörmanns fragwürdige Positionen zum Holocaust weiter zu hinterfragen?
Vor dem zweiten Interview sind diese fragwürdigen Aussagen noch nicht ans Tageslicht getreten, das hat sich erst beim zweiten Interview im Laufe des Gesprächs ergeben. Auch für uns völlig überraschend.
Welcher Abstand lag denn zwischen den beiden Interviews und mit welchem neuen Interview-Thema sind Sie an Franz Hörmann beim zweiten Mal herangegangen, das Sie beim ersten Interview noch nicht abklären konnten?
Das zweite Interview wurde ca. drei Wochen nach dem ersten Interview getätigt. Beim ersten Interview sprach Hörmann von einer Partei die er gründen möchte „HumanWeg-Bewegung“. Daraufhin haben wir recherchiert und sind auf das Programm (das Kurzprospekt, dass ich Ihnen mitgeschickt habe) dieser Partei gestoßen, und darauf, dass Klaussner Mitbegründer dieser Partei war. Es hat sich herausgestellt, dass Klaussner sehr dubiose Artikel veröffentlichte. Beim zweiten Interview wollten wir diesen Sachverhalt klären, was es mit dieser Partei/Bewegung auf sich hat, und was die Intention dahinter ist. Und haben Hörmann um einen zweiten Interview-Termin gebeten.
Das Interview ist nie veröffentlicht worden. Warum nicht?
Es wurde ein schriftliches Protokoll während des Interviews verfasst. Dieses wurde zusammen mit einem chronischen Überblick der Ereignisse in der jüngsten Ausgabe der „Standpunkte“ im Februar 2012 veröffentlicht.
Wurde das Protokoll wörtlich aufgenommen und Sie haben Hörmann dann auch wörtlich im Interview und beim Standard zitiert?
Hörmann wurde teils wörtlich und teils sinngemäß zitiert. Siehe Artikel in den Standpunkten.
Die österreichische Zeitung „der Standard“ hat dann weitreichend über alle möglichen fragwürdigen Äußerungen von Hörmann berichtet. Warum der Standard und nicht die Studentenzeitung?
Auch die „Standpunkte“, Studierendenzeitung der Volkswirtschaft hat darüber einen ausführlichen Bericht veröffentlicht, in dem der Entstehungsprozess des Interviews beschrieben wurde, das auch das vollständige Protokoll beinhaltet, und sogar eine Buchrezension über „Das Ende des Geldes“.
An den „Standard“ als eine der größten Tageszeitungen Österreichs haben wir uns gewendet, da wir dadurch die Möglichkeit sahen, dass diese Ereignisse an eine breite Öffentlichkeit gelangen und sich auch die Universitätsleitung zu einem Handeln gedrängt fühlte. Wäre der Bericht ausschließlich in den „Standpunkten“ veröffentlicht worden – eine Studierendenzeitung mit einer Auflage von ca. 200 Stück – hätte dies wohl kaum eine so große Diskussion ausgelöst.
War das Interview zum Zeitpunkt der Veröffentlichung denn autorisiert und haben sie Franz Hörmann vorab darüber informiert, dass Sie mit seinen fragwürdigen Äußerungen an die Öffentlichkeit treten?
Wir haben uns im Vorfeld des zweiten Gesprächs bei Hörmann als RedakteurInnen der Unizeitung Standpunkte angekündigt. Er wusste somit Bescheid, dass die Inhalte des Gesprächs veröffentlicht werden. Wir wollen auch betonen, dass die Atmosphäre während des Gesprächs zwar kontrovers aber nie beleidigend oder angriffig war. Hörmann bedankte sich zum Beispiel am Ende des Gesprächs bei uns für unser Engagement und wir verabschiedeten uns in einem freundlichen Ton.
Hörmann hat nur das erste Interview autorisiert. Wir haben wiederholt versucht, auch für das zweite Interview bzw. das Gesprächsprotokoll eine Autorisierung zu erhalten, haben von Hörmann jedoch keine Antwort auf unsere Emails bekommen. Über die Veröffentlichung wurde er allerdings informiert. Nach der Veröffentlichung im Standard bestätigte Hörmann das geführte Interview, sah sich jedoch als Opfer einer gehässigen Verleumdungskampagne.
Gab es ein Honorar vom Standard?
Nein. Das Interview führten wir völlig unabhängig, als RedakteurInnen der Standpunkte.
Das Interview Ihrer Redaktion war aber nicht allein die Ursache für die Suspendierung?
Hörmanns fragwürdige Thesen und esoterischen Behauptungen wie etwa in einem YouTube-Video zum Thema Ufos waren an der WU bekannt. Die WU gab dazu aber keine offizielle Stellungnahme ab, "weil sie die Ansicht vertritt, dass es MitarbeiterInnen von Universitäten zusteht, in ihren wissenschaftliche Arbeiten ebenso wie in ihren Wortmeldungen kontroversielle Standpunkte zu vertreten", wie es in einer Aussendung heißt. Durch die Aussagen Hörmanns zum Holocaust wurde aus Sicht der WU jedoch eindeutig eine Grenze überschritten. Ich schätze, die Ergebnisse des Interviews waren nur der letzte Anstoß für umfassende Anhörungen durch die Universitätsleitung sowie eine unabhängige Disziplinarkommission, die dann schlussendlich zur Suspendierung geführt haben.
Die Uni-Leitung hat rasch reagiert und eine umfassende Anhörung initiiert. Die Vorwürfe konnten dort jedoch nicht überzeugend entkräftet werden?
Nein, Hörmann hat die Möglichkeit seine Aussagen zu revidieren offensichtlich nicht wahrgenommen. Auch in einem Fernsehinterview im ORF für die ZIB 2 und in einem Gegendarstellungsbegehren an den „Standard“ hat sich Hörmann nur noch weiter in sein sehr dubioses Geschichtsverständnis verstrickt. Hörmann vertrete einen originären Wissensbegriff und unterscheide zwischen Fach- und Erlebniswissen. Deshalb könne er zwar sagen, er glaube, dass unter dem verbrecherischen Regime des 3. Reichs Massenvernichtungslager betrieben wurden. Der Aussage "Ich weiß, dass unter dem verbrecherischen Regime des 3. Reichs Massenvernichtungslager betrieben wurden" könne er jedoch nicht zustimmen, da er weder Historiker noch Zeitzeuge sei.
Halten Sie die Suspendierung von Franz Hörmann unter Berücksichtigung aller Fakten für gerechtfertigt?
Unseres Erachtens wurde völlig richtig gehandelt. Eine Person, die solche Aussagen trifft, hat auf einer Universität nichts zu verloren.
Nachfolgend weitere Links zu Beiträgen anderer Medien:
- Alles auf einen Blick:
- Vorläufig suspendiert - Interview mit Prof. Dr. Franz Hörmann
- Interview mit Redakteuren der Unizeitung „Standpunkte“ WU Wien zur vorläufigen Suspendierung von Prof. Dr. Franz Hörmann
- Causa Franz Hörmann - ein gesellschaftliches Problem?
Das Interview führte Ursula Pidun
Fotoquelle:F. Hörmann



