Nichtwähler: "Einzelne Parteien können wohl nichts bewirken"
„Warum soll ich meine Stimme in einer Wahlurne begraben“, schreibt Christian H. in Hinblick auf unseren Aufruf an Nichtwähler, uns zu schreiben. Ähnlich resignierte Worte klingen mit nur wenigen Ausnahmen aus allen Zuschriften heraus, die uns erreichten.
Politikverdrossenheit führt zweifelsfrei zu Konsequenzen, denn die Zahl der Nichtwähler steigt stetig. In einer „Ersten-Hilfe“-Maßnahme könnte Politik weniger Forschung betreiben, WER nicht wählt und die Kraft besser in die Frage investieren, WARUM nicht gewählt wird. Die Ursachen liegen insbesondere in einem massiven Mangel an Vertrauen.
Viele Bürger sehen sich nicht mehr adäquat vertreten. Eine Wahlbeteiligung von voraussichtlich nicht mehr als etwa 70 Prozent zur Bundestagswahl 2013 – solche Werte sprechen eine eigene Sprache. Wie hoch die Zustimmungswerte für die Parteien in Prozent dann tatsächlich sind, kann sich jeder ausrechnen. Nachfolgend – wie angekündigt - einen Auszug aus den vielen Zuschriften, die uns diese Woche zum spannenden Thema Nichtwähler erreicht haben. Sie können uns selbstverständlich auch weiterhin anschreiben (redaktion@spreezeitung). Wir veröffentlichen bis zur Bundestagswahl in Abständen jeweils die Stimmen von Nichtwählern:
Aus den Zeilen von Maren Meyer-Stoll aus Kassel klingt unschwer erkennbar eine engagierte Bürgerin:
Danke für Ihren Appell, an Sie zu schreiben.Ich bin knapp 40 Jahre alt, künstlerisch freiberuflich tätig und politisch offen und interessiert.
Ich werde sehr wahrscheinlich zum ersten Mal nicht wählen, weil die Probleme auf allen Gebieten so umfassend geworden sind, dass einzelne Parteien (von pars, dem Teil) wohl ohnehin nichts mehr bewirken könnten. Fast alle Fragen sind globaler Art und müssten daher auch global-menschlich, d.h. überparteilich und unter Einbeziehung aller Interessierten mit dem Ziel der größtmöglichen Übereinstimmung angegangen werden.
Der einzelne Bürger kann m.E. momentan mehr bewirken durch
- Bürgerinitiativen, u.a. transition town
- Kontakt zu städtischen Ämtern, u.a. durch "Essbare Stadt"
- regionales Einkaufen
- Beschäftigung mit alternativen Finanzsystemen, siehe u.a. www.wissensmanufaktur.net
- (Selbst-)Erkenntnis, dass Banker, Politiker, Bürger und alle andern... letztlich doch in einem Boot sitzen.
Beste Grüße!
Patrick R. zeigt sich - stellvertretend für viele Leser – zutiefst enttäuscht von der Politik und schreibt:
Ich bin 28 Jahre, selbstständig im Bereich Onlinehandel. Habe mein Fachhochschulabschluss in Wirtschaft und bin gelernter Fachinformatiker.Ich gehe nicht wählen, weil es keinen Unterschied macht, wer "angeblich" die Entscheidungen trifft. Für das Volk wird schon lange nichts mehr entschieden. Es geht nur noch um Profit für Lobbyisten und andere Hintermänner. "Demokratie" hab ich mal im letzten Jahrtausend in einem Schulbuch gelesen, seitdem hab ich in Deutschland nie wieder was davon gesehen.
Mit freundlichen Grüßen
Hermann Gärttner glaubt ebenfalls nicht mehr so recht an demokratische Zustände und sieht sich inzwischen als Wahl-Schaf. Er schreibt:
Sehr geehrte Damen und Herren,Ich werde nicht zur Wahl gehen, da ich keine Auswahl habe, weil sie alle nur das Gleiche machen. Egal ob CDU/CSU, FDP, SPD und die Grünen werden alle von der Finanzmafia gesteuert (bestochen).
Die Linke kann ich nicht wählen, weil sie in diesem Schauspiel nur den Kontrapunkt darstellen.
Wahlen sind nur ein Mittel zur Vorspielung von Demokratie. Wir leben schon lange in einer Diktatur der Konzernlobbys, die sich Politiker als Schauspieler und Tanzbären halten, die von den Wahl-Schafen gewählt werden sollen.
Der Bundestag ist, mit Ausnahme der Linken, zum Zentralkomitee der kapitalistischen Einheitspartei Deutschlands mutiert.
mit freundlichen Grüßen
Und auch Christian Hoffmann (selbständig) lässt praktisch kein gutes Haar an unseren Volksvertretern. Er kritisiert:
Ich bin es leid, mich nur zwischen Pest und Cholera entscheiden zu können. Egal welche Partei man wählt - es ändert sich nichts. Wir haben wie zu DDR Zeiten nur noch ein Zentralkomitee. Wenn Wahlen etwas ändern würden wären sie doch längst verboten.Jede neue Partei die etwas ändern möchte, wird sofort in die rechte Ecke gesteckt. Alle Macht wird mehr und mehr nach Brüssel abgetreten, dazu noch der Fraktionszwang, der eindeutig gegen das Grundgesetz verstößt. Wie sagte Herr Seehofer CSU so treffend, die Entscheidenden werden nicht gewählt und die gewählt werden haben nicht zu entscheiden.
Oder Herr Schäuble CDU, Deutschland ist seit 8. Mai 1945 nicht mehr voll souverän oder Herr Gabriel SPD, Frau Merkel ist Geschäftsführerin einer NGO oder Herr Maurer Die Linke, Deutschland ist kein Staat wie Frankreich oder Frau Merkel CDU, niemand hat das Recht auf Demokratie und soziale Marktwirtschaft.
Wer regiert uns also? Wäre schön wenn sie darüber mal berichten. Warum soll ich meine Stimme also in einer "Urne" begraben.
Pressefreiheit? - wird mit Hausdurchsuchung "belohnt". Meinungsfreiheit? - wird von bewaffneten Uniformierten niedergeknüppelt. Rechtsstaat? - Gustl Mollath, Polizeigewalt gegen die Menschen usw. Könnte noch stundenlang Gründe aufführen.
Martin B. schließlich ist Serviceleiter, aber vom Service der Politik sozusagen restlos bedient. Er schreibt:
Hallo Redaktion,Zur Wahl zu gehen bedeutet für mich, einem Volksvertreter oder einer volksvertretenden Partei eine Legitimation oder eine Zustimmung für die Dauer der Legislaturperiode zu geben, damit diese stellvertretend, im Sinne des Volkes, Entscheidungen treffen. Da dies leider schon länger nicht der Fall ist, gebe ich meine Stimme nicht ab.
Ich gebe meine Stimme auch deshalb nicht ab, um den Volksvertretern die Legitimation zu geben, mich vier weitere Jahre lang an der Nase herumführen. Es geht hier nicht um Interessen des Volkes, denn sonst würde das Grundgesetz geändert werden um Volksentscheidungen zu ermöglichen. Aber dies ist nicht im Sinne der Macht-Elite, es geht schlicht um die eigenen Interessen und die der Konzerne, ...oder weshalb werden beispielsweise GVO Lebensmittel, falls man es noch so nennen darf, nicht deklariert? Studien über gesundheitliche Schäden in den Massenmedien nicht objektiv bewertet? etc...
Bis vor nicht so langer Zeit bin ich zur Wahl gegangen... Politik und Wirtschaft auf internationaler Ebene – das ist mein Hobby.
Mit freundlichen Grüssen
Ebenfalls wenig begeistert zeigt sich Andreas Geist aus Frankfurt. Er schreibt:
Sehr geehrte Redaktion,ich gehe nicht wählen, da es keine Volksvertreter, sondern nur noch Lobbyisten in der Politik gibt. Geld regiert die Republik und nicht Politiker.
Sehen sie sich einfach politische Entscheidungen der letzten 20 Jahre an, es geht immer um Umverteilung von unten nach oben.
Wenn ich Wählen gehe mache ich mich schuldig an diesem Unsinn. Sobald ich einen Volksvertreter sehe, gehe ich auch gerne wieder wählen.
Mit freundlichen Grüßen
Weitere Kommentare lesen Sie unter unserem Beitrag: „Nichtwähler, bitte melden!"
Lesen Sie hierzu auch unseren Beitrag:
Nichtwählen - ein "Unterschichtenproblem"?
