Geschäftsklimaindex kommt nicht vom Fleck
Das ifo-Geschäftsklima hat sich im Juni kaum gegenüber Mai aufgehellt. Auf dem aktuellen Niveau deutet es nicht auf einen Wachstumsdurchbruch, aber auf ein höheres Wachstum als im Winterhalbjahr 2012/13 hin. Unsere BIP-Prognose für 2013 liegt bei 0,3%. Eine Kommentierung von Dr. Alexander Krüger.

Die Stimmung der vom ifo-Institut befragten Unternehmen in der gewerblichen Wirtschaft in Deutschland hat sich im Juni leicht aufgehellt: Der entsprechende Geschäftsklimaindex stieg um 0,2 auf 105,9 Punkte. Treiber dieser Entwicklung waren die Geschäftserwartungen (+0,9 Punkte), die erstmals seit drei Monaten wieder einen Anstieg verzeichneten. Hier ist das Lager der Optimisten jetzt etwas größer als das der Pessimisten. Als etwas schlechter gegenüber dem Vormonat beurteilten die befragten Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage (-0,6 Punkte).
Zur weiteren Zahlenarithmetik: Der Geschäftsklimaindex ist im Mai/Juni zwar um 1,5 Punkte gestiegen, gleicht den Rückgang von 3,0 Punkten im März/April damit aber nicht aus. Von einer echten Stimmungsaufhellung kann mit Blick auf das heutige Ergebnis daher kaum gesprochen werden. Der gleitende 6-Monatsdurchschnitt des Geschäftsklimaindex ist seit Dezember aber um 3,9 Punkte gestiegen. Zu konstatieren ist also auch, dass das Wachstumssignal weiter auf Grün steht.
Offen ist, wie schnell die Wachstumslokomotive fahren wird. Dazu gerät mit dem heutigen ifo-Ergebnis für Juni bereits das dritte Quartal in den Blick. Derzeit liegt der Geschäftsklimaindex 2,1 Punkte über seinem gleitenden 10-Jahresdurchschnitt. Dort deutet er auf ein dem Trend entsprechendes Wachstumstempo hin. Für Hinweise auf eine höhere Wachstumsdynamik müsste der Index bereits kurzfristig deutlich steigen. Angesichts zuletzt enttäuschender Nachrichten zur Weltkonjunktur (u. a. aus China) ist dies aber wohl wenig wahrscheinlich. Der seit vier Monaten unter der Expansionsschwelle liegende und dort jüngst erneut gesunkene Einkaufsmanagerindex im Verarbeitenden Gewerbe mahnt ebenso zu konjunktureller Vorsicht wie der deutliche Rückgang der Industrie-Aufträge im April.
Wir erwarten, dass die Wachstumsdynamik im Zuge anziehender (Bau-)Investitionen im zweiten Quartal 2013 über dem Trend liegen wird. Die guten Produktionsdaten für April zeigen dies bereits an. Im zweiten Halbjahr dürfte das Wachstumstempo dann dem Durchschnitt des ersten Halbjahres entsprechen. Unsere BIP-Prognose für 2013 beträgt weiter 0,3%. Abwärtsrisiken gehen von der EWU-Staatsschuldenkrise aus, direkt durch die Nachfrageschwäche vieler EWU-Staaten, indirekt durch die Neigung der EZB zu einem höheren geldpolitischen Expansionsgrad, die die Erholung der Ausrüstungsinvestitionen bremsen könnte.
