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Interviews

Mütter helfen: „Mit uns muss man rechnen!"

Hat sich angesichts neuer Kindschaftsgesetze der Stellenwert der Mutterschaft in Deutschland dramatisch verändert? „Mütter helfen“ist davon überzeugt und bietet Unterstützung. Daneben kämpft der Verbund auf politischer Ebene und deckt durchaus auch Skandale auf. Wir haben nachgefragt.

Ursula Pidun

Sorgerechtsverfahren zählen zu den emotional besonders einschneidenden Ereignissen in Trennungsfamilien. Traumatische Erfahrungen sind keine Seltenheit und Rechtsverfahren hinterlassen häufig gravierende Spuren innerhalb der familiären Strukturen. Tragen die aktuellen und neuen Kindschaftsgesetze zum Dilemma der sinkenden Geburtenrate bei und welche Rolle spielen sie in Hinblick auf eine weitere Entwertung der Mutterrolle? Was muss auf den Prüfstand, damit die Rechte von Müttern gestärkt werden und Wertschätzung und Anerkennung in den Mittelpunkt rücken? Im Gespräch mit Celine von Marschall, Mitinitiatorin von „Mütter helfen“ (www.muetter-helfen.de)

Frau von Marschall, wann haben Sie und ihre Mitstreiter und Mitstreiterinnen beschlossen, sich zusammenschließen, um sich für Kinder, Mütter und Väter stark zu machen?

Celine von Marschall; Foto: C.v.M.)
Celine von Marschall; Foto: C.v.M.)

Der Anfang war am 27./28. Dezember 2012 im Hotel „Maritim“ in der Stauffenbergstrasse in Berlin, da haben wir uns zusammengesetzt und beschlossen, ein Netzwerk für Kinder und Eltern zu begründen. Gegenüber liegt ja der Bendler-Block mit der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, und dies war uns Symbol und Ermutigung. Unser Ziel war und ist, aus lockeren Diskussions- und Selbsthilfegruppen eine wirksame Organisation zu machen, die im ganzen Bundesgebiet Kindern und ihren Eltern beisteht. Und dies ist uns ja auch gelungen, wie wir an dem massiven Zuspruch sehen, der uns seither fast überrollt.

Wie kommt es, dass Mütter hierzulande so schwerfällig die notwendige Anerkennung erhalten?

Mütter machen ihre Arbeit zu selbstverständlich. Und sie reden nicht darüber, sie vernetzen sich nicht – dazu bleibt ihnen auch gar keine Zeit. Es heißt ja „Klappern gehört zum Geschäft“ und wer im Stillen arbeitet, findet keine Anerkennung. Die Emanzipationsbewegungen seit den 1960er Jahren haben uns wenig gebracht, so wenig, dass wir im Jahr 2013 über eine Frauenquote in höherstehenden Tätigkeiten diskutieren müssen. Das ist beschämend für unser Land.

Hinsichtlich des Familienrechts weist der politische Trend in Richtung Egalisierung der Rechte für Väter und Mütter. Verdienen die Reformen das Prädikat „Fortschritt“?

Fortschritt ist es insofern, als bewusster als bisher darüber nachgedacht wird, dass Kinder Mütter und Väter brauchen. Was aber nicht berücksichtigt wird, ist, dass man eine Mutter und einen Vater nicht einfach beliebig gleichstellen, beliebig austauschen kann. Dies beginnt schon damit, dass das Kind neun Monate im Bauch der Mutter wächst, bevor es zur Welt kommt. Und anschließend werden viele Kinder gestillt – in Deutschland allerdings leider weit kürzer, als die WHO empfiehlt – und so entsteht eine besondere Bindung des Kindes an die Mutter, man nennt es auch Urvertrauen. Und es ist eine Illusion, dass man die gleiche Beziehung per Anordnung zwischen den Kindern und den Vätern herstellen kann. Väter sind in anderer Hinsicht wichtig für die Kinder, und es wäre besser, wenn man jedem Elternteil seine geschlechtsspezifische Rolle beließe, als aus Vätern die besseren Mütter machen zu wollen.

Mütter werden augenscheinlich von Wirtschaft, Politik und Frauenrechtlerinnen in eine kaum noch zu bewältigen Vielfachbelastung gedrängt. Kann eine solche Rechnung volkswirtschaftlich überhaupt aufgehen?

Die Rechnung geht weitgehend auf. Die Mütter tragen in unserem Land einen hohen Anteil der volkswirtschaftlichen Last: sie begründen und versorgen die Familie, kümmern sich um die Eingliederung der Kinder in Schul- und Berufsleben, halten den Vätern den Rücken frei und tragen oft auch selbst noch zum Familieneinkommen bei. Fragen Sie sich doch mal selbst. Wenn ein Mann und eine Frau zusammenziehen: wer kocht, wäscht, bügelt, legt die Socken zusammen und alles in den Kleiderschrank, pflegt die Blumen und saugt die Wohnung? In der Regel macht die Frau all dies für beide.

Zählen diese gravierenden Prozesse über die Köpfe der Mütter hinweg und in Kombination mit dem neuen Kindschaftsrecht zu den Ursachen der rückläufigen Geburtenrate?

Ja natürlich. Kinderkriegen bedeutet für die Frauen eine grundsätzliche und nicht mehr umkehrbare Veränderung ihres Lebens. Ab dem Tag der Zeugung ist alles anders. Es sind unendlich viele schöne Momente, aber Kinder bedeuten für die Mütter auch eine Erpressbarkeit, die von Männern leider oft skrupellos ausgenutzt wird. Wir hören von Müttern oft den Satz: „er hat mich einfach mit den Kindern erpresst“.

Sind Mütter hinsichtlich der aktuellen Sorgerechts- sowie der neuen Unterhaltsgesetze eventuell die Verlierer?

Ja, ich denke schon. Es ist ja für Mütter schon schwer genug, Kinder über Trennungen hinwegzuhelfen. Und wenn die Kinder dann auch noch zwischen Vater und Mutter „aufgeteilt“ werden, dann haben sie gar keine Chance mehr, sich selbst und ihre Ruhe zu finden. Leider benutzen vermeintlich verstoßene Väter nur allzu oft die Kinder, um sich an den Frauen zu rächen. Dass dabei die Kinder zerrieben werden, wird billigend in Kauf genommen. Um es klar zu sagen: die besondere und unersetzbare Rolle der leiblichen Mutter für die Kinder findet in den neuen Gesetzen keinen Niederschlag.

An welchen Stellen der Hilfestellung setzt „Mütter helfen“ an und wer kann sich angesprochen fühlen?

Wir arbeiten auf zwei Schienen: einerseits wollen wir die Bedürfnisse der Mütter in Politik und Gesetzgebung einbringen, andererseits sind wir eine Anlaufstelle für Mütter mit Problemen aller Art. Deshalb haben wir zusätzlich zum Bundesverband Landesgruppen begründet, um vor Ort für die Mütter da sein zu können. Wer zu unseren Treffen kommen will, findet die Termine und Orte unter www.muetter-helfen.de im Internet.

Versucht der Verbund „Mütter helfen“ auch, politisch Einfluss zu nehmen und falls ja, auf welche Weise kann das geschehen?

Den besten politischen Einfluss gewinnt man über Vorbild und Kompetenz. Unser Motto ist „sachlich – konstruktiv – rechtsstaatlich“. und wir legen großen Wert darauf, dass wir nicht männer- oder väterfeindlich sind. Wir sehen uns als Lobby für Mütter und Kinder. Und Kinder brauchen Mutter und Vater.

Die aktuellen Gesetze bieten Eltern im Trennungsfall vorrangig das gemeinsame Sorgerecht an. Wird das inzwischen ausreichend genutzt?

Das gemeinsame Sorgerecht ist der Regelfall, und eine Abweichung ist nur möglich, wenn einem Elternteil gravierendes Versagen nachgewiesen werden kann. Und weil dem so ist, nimmt die Zahl der sog. hochstrittigen Fälle immer mehr zu, in denen ein Elternteil dem anderen ein solches Fehlverhalten zuzuschieben versucht. Waren es früher mehr die Frauen, die so handelten, hat sich das in den letzten Jahren komplett verändert: jetzt kämpfen immer mehr Männer mit zum Teil nur
noch als kriminell zu bezeichnenden Methoden um die Verdrängung der Frau als Mutter der Kinder. Diese Trennungskriminalität wird von Gerichten und Staatsanwaltschaften viel zu häufig als „Rosenkrieg“ verharmlost und nicht konsequent geahndet. Und damit macht die Methode Schule, und es werden immer mehr, die es so versuchen.

Warum ist es für Eltern häufig so schwer, zum Wohle des Kindes auf einen gemeinsamen Nenner mit dem Partner zu kommen?

Es ist so einfach geworden, Mütter über das Leid ihrer Kinder zu quälen. Und das weiß jeder Mann: unter nichts leidet eine Mutter mehr, als wenn ihr Kind leidet. Und während man sich früher mit ein paar vergleichsweise harmlosen Streitigkeiten trennte, wird die Scheidung heute immer mehr zum Vernichtungskrieg auf dem Rücken von Müttern und Kindern. Und es gibt immer mehr Männer, die nach einer Trennung nicht wahrhaben wollen oder können, dass sie diese Frau verloren haben, und Rache schwören. Wir hören immer wieder den Satz „Ich werde sie vernichten“. Und leider nutzen
manche Anwälte dies aus, um ihre Mandanten in für sie gewinnbringende hochstrittige Verfahren hineinzutreiben, von denen niemand Nutzen hat, außer dem Bankkonto des Anwalts.

Kommt es zu einem Sorgerechtsverfahren und damit zu Entscheidungen der Gerichte zu Umgangsfragen, so werden zur Abklärungs- und Empfehlungszwecken häufig Psychologen involviert. Nicht immer mit notwendigen Erfolg?

Das ist ganz unterschiedlich. Es gibt hervorragende Familiengutachter, aber es gibt eben auch eine Menge schwarzer Schafe. Mit Familiengutachten und Umgangsbegleitung kann man viel Geld verdienen.

Sie publizieren gerade einen aktuellen Fall zu einer Psychologin, die in der Vergangenheit auch als„Umgangsbetreuerin“ zum Einsatz kam, vermeintlich aber gar keine Psychologin ist. Was hat es damit auf sich?

Sie meinen sicher den aktuellen Fall, den wir in unserer Pressemeldung mitgeteilt haben. Hier handelt es sich um einen besonders krassen Fall von wohl systematischem Betrug mit Gefälligkeitsattesten und Falschbeschuldigungen. Wir werten derzeit eine ganze Reihe von Fällen Geschädigter aus, und finden bei allen Fällen das gleiche Schema: ein Elternteil wird in den Himmel gelobt, der andere Elternteil wird als übergriffiges unbelehrbares Monster dargestellt. Ziel und letztlich Ergebnis in all diesen Fällen war und ist die komplette Isolation der Kinder von dem einen Elternteil und die Übertragung der alleinigen elterlichen Sorge auf den anderen Elternteil – was normalerweise extrem selten geschieht. Bei Fällen, in denen die vermeintliche Psychologin involviert ist, geschieht dies weit über zufällig häufig. Es wird der inzwischen ermittelnden Staatsanwaltschaft wohl nichts anderes übrig bleiben, als alle familiengerichtlichen Verfahren, bei denen sie involviert war, zu überprüfen und ihre Rolle bei den Gerichtsentscheidungen zu analysieren.

Zu welchen Konsequenzen kann so etwas führen?

Der Fall ist dazu besonders reizvoll, da sie sich seit Jahren als „Diplompsychologin“ und teilweise bei Gericht auch als „Diplompsychologin“ mit Doktortitel ausweisen lässt, obwohl sie nach eigenem schriftlichem Bekunden kein Diplom erworben hat. Diese zu Unrecht geführten Bezeichnungen verliehen ihren Attesten natürlich mehr Gewicht, als wenn die Atteste von einer z.B. Abiturientin verfasst worden wären. Gutachter und Gerichte haben ihr vertraut, und müssen sich
nun eingestehen, dass sie wohl einer Titelbetrügerin aufgesessen sind. Das den Kindern von dieser vermeintlichen „Expertin“ angetane Leid ist unermesslich, und mit nichts mehr wiedergutzumachen. Die vermeintliche Psychologin war mit ihren Attesten und Protokollen unzutreffenden Inhalts so erfolgreich, dass ihre Dienste sogar von einer Rechtsanwältin den Mandanten ans Herz gelegt wurden. Wer mehr über den Fall wissen möchte, findet eine ausführliche Pressemeldung samt Belegen auf unserer Internetseite unter http://www.muetter-helfen.de/.

Ist das ein krasser Einzelfall oder beobachten Sie durchaus regelmäßig Kompetenz-Problematiken?

Es geht nicht nur um unzureichende oder fälschlich vorgegebene Kompetenz, es geht wohl auch um Bereicherung durch nachweislich unzutreffende Aussagen. Nach unseren Kenntnissen ist der dargestellte Fall kein Einzelfall. Wir haben ernstzunehmende Hinweise darauf, dass es weitere solche Fälle gibt, und werden – sobald aus den Hinweisen Beweise geworden sind – darüber berichten. Investigativer Journalismus ist ein fester Bestandteil von „Mütter helfen“, und wir haben Fachleute in unseren Reihen.

Mit welchen Mittel lässt sich in der Funktion eines Verbundes „Mütter helfen“ gegensteuern?

Ganz einfach: aufklären, aufdecken, beenden. Wer mit unlauteren Methoden zu Lasten der Kinder und Eltern arbeitet, muss mit Mütter helfen rechnen.

Das Interview führte Ursula Pidun

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