Die Sprachlosigkeit der Kanzlerin macht sprachlos
Die Kanzlerin sitzt vermeintlich fest im Sattel. Dabei profitiert sie von einer wohlgesonnenen Medienlandschaft und resignierten Bürgern, die kaum noch etwas hinterfragen. Rechtfertigungen zu Entscheidungen finden nicht statt. Merkel schweigt hierzu so beharrlich, wie zu ihrer Vergangenheit. Ein Kommentar von Marlen Albertini.
Das Verhaltensmuster vieler Medien ist durchaus bekannt und ähnelt den damaligen Reaktionen, als die Politikberaterin Gertrud Höhler es in ihrer Publikation „Die Patin“ wagte, Agitationen der Kanzlerin näher unter die Lupe zu nehmen und zu analysieren. Das staatsnahe, öffentlich-rechtliche ZDF beispielsweise entschied sich hinsichtlich beider Publikationen für jene Variante, die immer dann greift, wenn allgemeine Ratlosigkeit herrscht: Satire! Gerade so, als könne man einer ernsthaften Auseinandersetzung mit der Friede(!)-Freude-Eierkuchen und Schweige-Mentalität im Kanzleramt durch fragwürdige Witzeleien entkommen.
Die Spießigkeit unseres Landes, die Entwertung des Individualismus zu Gunsten des Kollektivs in nie geahnter Form macht sprachlos. Die Weigerung der Kanzlerin, ihr Handeln zu offenbaren und die lammfromme Duldung dieser Entwicklung durch die Bürger ebenso. Dabei steht eine Menge auf dem Spiel. Schon jetzt gibt es die Bundesrepublik im Sinne der Vor-Vereinigungszeiten nicht mehr. Freiheitlich demokratische Verhältnisse unterliegen einem schleichenden Prozess der politischen Intransparenz, vermeintlich alternativlosen Entscheidungsfindungen und einer drastisch zunehmenden und erschreckenden Gängelung der Bürger.
Aus der ehemals stolzen, westlich und sozial-marktwirtschaftlich geprägten Bundesrepublik hat sich eine Republik der Erbsenzähler, Aufpasser und Denunzianten entwickelt. Gleichmacherei - so laute die Parole. Wer nicht spurt, der landet ohne große Umschweife am Pranger der „Political Incorrectness“ und dies mit kollektiver Zustimmung. Nur Wenige bieten Paroli, die Kusch-Dich-Republik zeigt sich von der gefestigten Seite. Wer der Frage nachgeht, inwieweit das auch mit der Kanzlerin, ihrer Vergangenheit und ihrem ausgeprägten Drang nach Intransparenz zu tun hat, gerät schnell an Grenzen. Kritik an Angela Merkel ist medial geradezu verpönt. Hinterfragungen zu Auswirkungen einer erkennbaren (real)sozialistischen Unterwanderung seit der Wiedervereinigung werden als Unding gewertet. Warum eigentlich? Das Thema gehört ganz oben auf die Agenda!
Statt konstruktiv kritischer Begleitung der Staatsfrau in der ersten Reihe, vermitteln die meisten Medien schöne Bilder und suggerieren politische Erfolge, die bei näherer Betrachtung schnell in sich zusammenfallen. Die Euro-Schuldenkrise, derer man sich allzu gerne als Rechtfertigung für sämtliche bestehenden Defizite bedient, hat sich eher verstärkt. Vereinbarungen wie etwa Maastricht-Kriterien oder Bail-Out-Klauseln wurden ohne mit der Wimper zu zucken ausgehebelt. In Europa herrscht eine beispiellose Jugendarbeitslosigkeit. Die Verarmung vieler Bürger in den südlichen Euro-Staaten nimmt horrende Formen an und der Ruf unseres Landes wird beschädigt. Selbst hierzulande, im vermeintlichen Wunderland des Jobmotors, herrschen Zustände, die mit sozialer Marktwirtschaft kaum noch etwas zu tun haben. Das Jobwunder steht auf wackligen Stelzen, zu denen Dumpinglöhne, Werkverträge, Leiharbeit und andere defizitäre Arbeitsverhältnisse zählen. Innovation, Fleiß und Engagement sind kein Garant mehr für Erfolg, obwohl genau solche Kriterien mittel- und langfristig für Wettbewerbsfähigkeit sorgen. Existenzielle Sicherung der Bürger verliert stetig an Priorität.
Die Konsequenzen der Politik vergangener Jahre müssten der Kanzlerin den Schlaf rauben. Doch sie schweigt so beharrlich, wie zu ihrer Vergangenheit. Ihre Politik präsentiert sich willkürlich und zu Gunsten der persönlichen Machtfestigung stark anpassungsgeprägt. Entscheidungen drehen sich mitunter wie Fahnen im Wind und vertuschen Kompetenzmängel. Rechtfertigungen der Entscheidungen vor dem Volk finden nicht statt. Aus dem Anspruch einer angemessenen Volksvertretung wird so schnell ein Machtgebaren mit Alleinstellungsmerkmal. Eine besorgniserregende Entwicklung bahnt sich kaum wahrnehmbar und doch existent den Weg. Dabei profitiert die Kanzlerin von einer wohlgesonnenen Medienlandschaft und resignierten Bürgern, die nichts mehr hinterfragen. Die Sprachlosigkeit der Kanzlerin macht sprachlos.
