Jobwunder - Aufstocker zahlen die bittere Zeche
Die einen verdienen Millionen. Andere schleppen sich am Monatsende trotz Vollzeit-Job zwecks Aufstockung zum Amt. Wer die Augen vor dem sogenannten „Jobwunder“ verschließt und die Lage am Arbeitsmarkt schönredet, der handelt fahrlässig. Immerhin ist der Gesellschaftsvertrag in Gefahr.
„Wunder gibt es immer wieder“, schmettert noch heute Katja Epsteins Song über den Äther. Eines dieser Wunder feiern Politiker gerne in Hinblick auf den florierenden deutschen Arbeitsmarkt. „Jobwunder“ lautet das Zauberwort, das Deutschlands Arbeitnehmer vermeintlich unbeschadet durch die Krise schaukelt. Ein „Jobwunder“, das es so allerdings nicht gibt und trotz der angeblichen Erfolge bisher von keinem anderem Land kopiert wurde. Denn nicht unbedingt können fleißige Arbeiter und einsatzbereite Angestellte am Monatsende einen angemessenen Lohn ihrer Bemühungen in Empfang nehmen. Das heutige „Jobwunder“ hat seine eigenen Gesetze. Deren vorgeschobene Grundlage war die vermeintlich unumgängliche Zusammenlegung von Sozial- und Arbeitslosenhilfe. Tatsächliche Grundlage ist allerdings der von Altkanzler Gerhard Schröder in Kooperation mit Freund Peter Hartz vor zehn Jahren auf den Weg gebrachte Niedriglohnsektor.
Altkanzler Schröders ganzer Stolz
Schröder (SPD) zeigte sich stolz auf den kräftig aufgemischten Arbeitsmarkt und die Ergebnisse seines durchaus als fragwürdig zu bezeichnenden Vorhabens. In seiner Rede vor dem World Economic Forum am 28. Januar 2005 erklärte er:
„Wir müssen und wir haben unseren Arbeitsmarkt liberalisiert. Wir haben einen der besten Niedriglohnsektoren aufgebaut, den es in Europa gibt“.
So gut wie alle etablierten Parteien folgten dieser Prämisse und halten bis heute an der These fest, Niedriglöhne seien DAS Instrument zur Förderung der globalen Wettbewerbsfähigkeit. Die allerdings war schon immer Grundlage einer jeden Unternehmung. Die Folgen des Prozederes der vergangenen Jahre zeigen sich inzwischen von der drastischen Seite. Arbeitsmarktpolitische Fehlentscheidungen entfalten nunmehr mit voller Wucht ihr schieflagiges Potenzial und dies war durchaus für jeden umsichtig denkenden Politiker vorhersehbar. Auch halbwegs intelligenten Medienvertretern, die mit im Boot saßen um einen derartige gesellschaftlichen Umbruch überhaupt durchsetzen zu können, mussten die Konsequenzen bereits damals klar vor Augen liegen.
Aufstockung führt Marktwirtschaft ad absurdum
Lagen sie aber wohl nicht, denn heute stocken Steuerzahler unternehmerische Löhne auf. Damit werden sowohl marktwirtschaftliche Verhältnisse als auch ein gesellschaftsrelevantes Unternehmertum ad absurdum geführt. Inzwischen gibt es hunderttausende Zeitgenossen, die trotz 40 Stunde-Woche als Bittsteller beim Amt vorstellig werden. Betteln wird trotz Vollzeitarbeit zur traurigen Wirklichkeit. Für Betroffene geht es dabei allein um ein Existenzminimum, mit dem es sich ohne jegliche Reserven oder Zukunftsplanungen wirtschaftlich überleben lässt. Die inzwischen beträchtliche Anzahl an Aufstockern bewegt sich auf einem Arbeitsmarkt, der als solcher nicht mehr bezeichnet werden kann. In zu vielen Bereichen sind gerechte Löhne kaum noch erzielbar und trotz Marktwirtschaft praktisch nicht verhandelbar. Mindestlöhne allein um des Anstands und der Gerechtigkeit Willen werden politisch weiterhin konterkariert. Eine Vielzahl Betroffener schließlich bewegt sich nur noch in staatlich verordneten Maßnahmen, die nicht als Arbeit gewertet wird. Fortschritt und Zukunft lassen grüßen.
Armut und zerfallene Familienstrukturen
Familiäre Strukturen zerfallen angesichts immer schlechterer Bezahlungen einerseits und völlig überzogener Belastungen andererseits. Das so stolz gefeierte „Jobwunder“ von Wirtschaft und Politik entpuppt sich als sozialistisch geprägtes Gängel-Instrument, das Bürger unangemessen in die Zange nimmt und Armut geradezu fördert. Gegenmaßnahmen? Bisher Fehlanzeige! Politiker scheuen allenfalls die harten Regeln ihres eigens konzipierten Arbeitsmarktes und stellen im Zweifel die Verwandtschaft gleich selbst auf Kosten der Steuerzahler in den Staatsdienst ein. Wie lange ein solches Gesellschaftsmodell hält, ist nur eine Frage der Zeit. „Wunder gibt es immer wieder“, trällert es indes weiter durch den Äther. Bleibt zu hoffen, dass es sich in einem verantwortlichen politischen Handeln und einer Kehrtwende der bestehenden arbeitsmarktpolitischen Verhältnisse sowie einer Reaktivierung des Gesellschaftsvertrags niederschlägt. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.
