Zum Inhalt
Suche
Wirtschaft

EZB stemmt sich weiter gegen die Krise

Auf ihrer auswärtigen Ratssitzung in Bratislava hat die EZB die Leitzinsen heute gesenkt. Der Spitzenrefinanzierungssatz wurde um 50 Basispunkte auf 1,0% und der Hauptrefinanzierungssatz um 25 Basispunkte auf 0,5% reduziert. Unverändert blieb der Einlagesatz (0,0%). Die Notenbank begründete ihren Schritt mit schwachen Konjunkturdaten und der auf 1,2% gesunkenen Inflationsrate.

Dr. Alexander Krüger

Überdies hat die EZB die Liquiditätsbereitstellung erweitert. Die Vollzuteilung für Hauptrefinan-zierungsgeschäfte (MROs), 3-monatige (LTROs) und spezielle Refinanzierungsgeschäfte wurde bis Mitte 2014 verlängert. Zudem gab die Notenbank bekannt, sich mit der Europäischen Investitionsbank in Beratungen hinsichtlich einer Ankurbelung der Kreditvergabe für kleinere/mittlere Unternehmen zu befinden. Letztere haben vor allem in Südeuropa derzeit keinen Kreditzugang.

Hinsichtlich der Wachstumsperspektiven geht die EZB weiter davon aus, dass die konjunkturelle Schwächephase zunächst noch anhalten und es im zweiten Halbjahr zu einer allmählichen Erholung kommen wird. Für ihren Ausblick sieht sie unverändert Abwärtsrisiken. Der Inflationsdruck wird aus Sicht der Notenbank verhalten bleiben und die Inflationserwartungen dem mittelfristigen Preisstabilitätsziel entsprechen; hierfür sind die Risiken weitgehend ausgeglichen.

Die heutigen Entscheidungen zeigen, dass sich die EZB mit dem in der Krise bisher Erreichten nicht zufrieden gibt. Ein Konjunkturimpuls dürfte von der Leitzinssenkung aber nicht ausgehen. Zudem stoßen die Maßnahmen, die den blockierten Transmissionsmechanismus beheben sollen, dann an Grenzen, sofern Banken weiter hohe Bonitätsrisiken für kleine und mittlere Unternehmen sehen.

Dass EZB-Präsident Draghi auf der Pressekonferenz erklärt hat, die EZB sei weiter zum Handeln bereit, hält den Leitzinsblick nach unten gerichtet. Hierzu passt auch sein Hinweis, im Fall der Fälle und trotz der damit aus seiner Sicht verbundenen Nebenwirkungen technisch auf einen negativen Einlagesatz vorbereitet zu sein. Weder bei den Leitzinsen noch bei den unkonventionellen Maßnahmen ist das Potenzial also ausgeschöpft. Die EZB dürfte ihre noch vorhandenen Joker ziehen, sollte die Wende zum Besseren nicht gelingen. Zu wünschen ist, dass sich der Tatendrang der EZB demnächst auf die EWU-Regierungen überträgt.

Interview mit Dr. Alexander Krüger: "Die Einteignung findet bereits statt"

Mehr aus Wirtschaft

EZB schraubt die Dezibel noch höher

Die Finanzmärkte rufen, und die EZB hat heute mit einem umfangreichen Maßnahmenbündel reagiert. Es beinhaltet auch die Wiederaufnahme von Wertpapierkäufen. Das tiefe...

Dr. Alexander Krüger

Die EZB hat das Augenmaß verloren

Die EZB steht vor neuen Lockerungen. Statt Wachstums- und Inflationsrate dürften aber vor allem Staatshaushalte und Finanzmärkte profitieren. Gleichzeitig werden die...

Dr. Alexander Krüger

Abschwung: Der Rezessionsspuk wird realer

Die Wirtschaftsleistung in Deutschland ist im zweiten Quartal 2019 leicht gesunken. Für das Sommerhalbjahr sieht es nun stark nach einer technischen Rezession aus....

Dr. Alexander Krüger

EZB mit klarer Lockerungsneigung

Gehandelt hat die EZB aktuell nicht. Sie steht aber bereit, ihre Instrumente anzupassen. Da Konjunktur- und Inflationsdaten wohl weiter enttäuschen werden, dürfte die...

Dr. Alexander Krüger