ifo-Geschäftsklima schürt Konjunkturängste
Das ifo-Geschäftsklima hat sich in diesem Monat deutlich eingetrübt. Experten bewerten dies als herben Rückschlag für bestehende Konjunkturhoffnungen. Worin liegen die Ursachen dieser Entwicklung und welche weiteren Aussichten zeichnen sich ab? Eine Kommentierung von Dr. Alexander Krüger.
Das ifo-Geschäftsklima hat sich im April stark eingetrübt. Wir bewerten dies als herben Rückschlag für bestehende Konjunkturhoffnungen. Ursache dürfte die Summe der negativen Schlagzeilen für den Euroraum seit Jahresbeginn sein. Eine nachhaltige Erholung der Ausrüstungsinvestitionen wird dadurch wohl verhindert werden.
Der ifo-Geschäftsklimaindex für die gewerbliche Wirtschaft in Deutschland ist im April um 2,3 auf 104,4 Punkte ggü. Vm. gefallen. Die befragten Unternehmen beurteilten ihre aktuelle Geschäftslage (-2,7 Punkte) ebenso als schlechter wie ihre Geschäftserwartungen (-2,0 Punkte). Bei letzteren sind nun die Pessimisten wieder in der Mehrzahl. Der Rückgang des Gesamtindex ist ein herber Rückschlag für bestehende Konjunkturhoffnungen. Er erklärt, warum sich die bessere Stimmung zu Jahresbeginn nur schleppend in die realen Daten übertragen hat.
Ursache für diese Entwicklung dürfte sein, dass Unternehmen von der Bereitschaft der EZB zu Staatsanleihekäufen und damit der Verteidigung der Währungsunion offenbar nicht vollends zu beruhigen sind.
Das Verhaltensmuster im Unternehmenssektor scheint damit ein anderes zu sein als an den Finanzmärkten. Hier halten die von der Parlamentswahl in Italien, der Bankenkrise in Zypern, den revidierten Wachstumserwartungen für Frankreich, nicht erreichten Defizitzielen und die vom kaum wahrnehmbaren und vorwärts gerichteten EWU-Krisenmanagement ausgehenden Negativschlagzeilen die Unsicherheit über den Fortgang der Staatsschuldenkrise aufrecht und dämpfen die Investitionsbereitschaft.
Die von uns erwartete Erholung der Ausrüstungsinvestitionen dürfte daher nicht nur zu Jahresbeginn schwächer als erwartet ausgefallen sein; mit dem heutigen Umfrageergebnis wächst zudem die Sorge, dass sich die Investitionsschwäche zu Beginn des zweiten Quartals fortgesetzt hat. Die günstigen Wachstumsbedingungen – Wachstum der Weltwirtschaft, hohe Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft, Niedrigzinsumfeld – reichen offenbar nicht aus, um die Unsicherheit hinsichtlich der Zukunft der EWU aufzufangen.
Auf dem aktuellen Niveau liegt der ifo-Geschäftsklimaindex lediglich noch 0,8 Punkte über seinem gleitenden 10-Jahresdurchschnitt. Dort deutet er auf moderate Wachstumsperspektiven hin. Auch mit Blick auf die inzwischen wieder unter die Expansionsschwelle gefallenen Einkaufsmanagerindizes bestehen daher Abwärtsrisiken für unsere BIP-Prognose von 0,9% für 2013. Die Wahrscheinlichkeit für eine Leitzinssenkung der EZB nimmt vor diesem Hintergrund zu.
Interview mit Dr. Alexander Krüger: "Die Einteignung findet bereits statt"
