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Wirtschaft

EZB ohne Leitzinssenkungs-Absicht

Die EZB hat den Stand ihrer Leitzinsen gestern beibehalten. Hinweise, dass sich daran bald etwas ändern könnte, gab es nicht. Die Notenbank konstatierte eine Stabilisierung der Konjunkturdaten und ein gestiegenes Vertrauen an den Finanzmärkten. Wir erwarten, dass die Leitzinsen weiter unverändert belassen werden.

Dr. Alexander Krüger

Auf ihrer ersten Ratssitzung 2013 hat die EZB ihre Leitzinsen unverändert belassen. Damit liegt der Hauptrefinanzierungssatz weiter bei 0,75% und der Einlagesatz bei 0%. Dies kommt nicht überraschend, da Leitzinssenkungserwartungen von EZB-Ratsmitgliedern im Vorfeld der Sitzung gedämpft worden waren. Die EZB beabsichtigt zudem, ihre unkonventionellen Maßnahmen fortzusetzen.

Beibehalten hat die EZB ihre Konjunkturskepsis. Mit Blick auf die nächsten Monate erwartet sie eine schwache Wirtschaftsaktivität, die erst danach in eine allmähliche Erholung übergeht. Hierfür sieht sie unverändert Abwärtsrisiken. Hinsichtlich der Inflationsperspektiven zeigt sich die EZB weiter entspannt.

Laut EZB-Präsident Draghis Aussagen auf der Pressekonferenz wurde der Leitzinsbeschluss einstimmig getroffen. Als Grund hierfür nannte er die gesunkenen Staatsanleiherenditen und den Anstieg der Aktienkurse. Das Vertrauen an den Finanzmärkten habe sich weiter verbessert, so der Notenbank-Chef. Er verneinte die Frage, ob die EZB einen Ausstiegsplan aus den unkonventionellen Maßnahmen habe, da eine konjunkturelle Erholung noch nicht erkennbar sei.

Die Aussagen der EZB stützen unsere Sicht für unverändert bleibende Leitzinsen. Immerhin ist die Ausrichtung der EZB-Geldpolitik bereits sehr expansiv, eine weitere Lockerung ginge vermutlich nicht mit einem zusätzlichen Konjunkturimpuls einher. Hinzu kommt, dass sich die Lage an den Finanzmärkten (vor allem aufgrund des OMT-Programms der EZB) entspannt hat und die Stimmungsindikatoren erste Signale für eine Trendwende senden. Dies lässt eine Leitzinssenkung als nicht dringlich erscheinen.

Zudem gehen wir davon aus, dass die EZB den Abstand zwischen Einlagesatz und Hauptrefinanzierungssatz nicht zu klein werden lassen wird, um einer Verflachung der Renditestrukturkurve vorzubeugen sowie einer Belebung des Interbankenmarktes nicht im Wege zu stehen. Eine Leitzinssenkung bedeutete dann allerdings, dass der Einlagesatz in negatives Terrain rutschte. Diesbezüglich haben mehrere Ratsmitglieder aber in den vergangenen Monaten betont, dass die Notenbank mit einem negativen Einlagesatz keinerlei Erfahrungen besitzt. Wir erwarten daher, dass die EZB ihre Leitzinsen auch weiterhin nicht verändern und an ihren unkonventionellen Maßnahmen festhalten wird. Der Leitzinssenkungs-Bias bleibt aber vorerst bestehen.

Interview mit Dr. Alexander Krüger: "Die Einteignung findet bereits statt"

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