ifo-Geschäftsklimaindex stoppt Talfahrt
Der ifo-Geschäftsklimaindex ist im November überraschend gestiegen. Dies stützt unsere Erwartung, dass die Wirtschaft im laufenden Quartal lediglich eine Wachstumsdelle durchlaufen wird. EWU-Politik und EZB dürften bestehende Systemängste noch reduzieren und das BIP im ersten Quartal 2013 wieder wachsen.

Das Klima in der gewerblichen Wirtschaft in Deutschland hat sich im November überraschend aufgehellt: Der ifo-Geschäftsklimaindex nahm gegenüber Oktober um 1,4 auf 101,4 Indexpunkte zu. Damit ist der seit Mai andauernde Abwärtstrend vorerst gestoppt. Von der Richtung her folgt der Index den Einkaufsmanagerindizes, die Lücke zu diesen ist aber etwas größer geworden.
Ursächlich für den Indexanstieg war eine als besser eingeschätzte aktuelle Geschäftslage (+0,9 Punkte) durch die befragten Unternehmen. Auch die Geschäftserwartungen stiegen – auf niedrigem Niveau – an (+2,0 Punkte).
Die Entwicklung des ifo-Geschäftsklimas stützt unsere Erwartung, dass die deutsche Wirtschaft von einer Rezession weit entfernt ist. Allerdings darf die ifo-Entwicklung im November aus unserer Sicht nicht überbewertet werden: Die zurückliegende Stimmungseintrübung, deren Ursprung im Sommer 2011 liegt, hatte das BIP-Wachstum unterzeichnet. Seither war das Bruttoinlandsprodukt, abgesehen von der kleinen Wachstumsdelle Ende 2011, um durchschnittlich fast 0,4% zum Vorquartal solide gewachsen. Auf Basis dieser Erfahrung gibt das heutige ifo-Ergebnis daher keinen Anlass zu einem höheren Konjunkturoptimismus.
Wir erwarten, dass die EWU-Politik und die EZB bestehende Systemängste hinsichtlich der EWU weiter zerstreuen werden. Überdies wird sich in den nächsten Wochen wohl abzeichnen, dass die US-Wirtschaft nicht von der fiskalischen Klippe stürzen wird. Vor diesem Hintergrund rechnen wir weiter damit, dass es in den nächsten Monaten zu einer allmählichen Stabilisierung der Stimmungsindikatoren kommen wird. Denn der zurzeit noch bestehende Erwartungs-Pessimismus (das ifo-Lager der Pessimisten ist um 13 Prozentpunkte größer als das der Optimisten) dürfte auch darauf zurückgehen, dass eine Aufrechterhaltung des Geschäftslageniveaus für die Unternehmen aufgrund der anhaltend ungünstigen Nachrichtenlage zur EWU-Staatsschuldenkrise noch nicht vorstellbar ist.
Nach einer kleinen Wachstumsdelle im laufenden Quartal dürfte das BIP-Wachstum daher wieder zunehmen. Unsere BIP-Prognosen für 2012/13 liegen – auch nach Kenntnis der BIP-Details für das vierte Quartal 2012 – unverändert bei 0,7% bzw. 0,9%. Hierfür überwiegen weiter die konjunkturellen Abwärtsrisiken.
