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Wirtschaft

Deutsches BIP trotzt der Schuldenkrise erneut

Die EWU-Staatsschuldenkrise hat das deutsche BIP-Wachstum im dritten Quartal 2012 zwar gebremst. Den Zuwachs von 0,2% zum Vorquartal bewerten wir aufgrund des anhaltenden Krisenumfeldes aber als positiv. Eine Kommentierung von Dr. Alexander Krüger, Chefvolkswirt im Bankhaus Lampe.

Dr. Alexander Krüger

Nach einer Wachstumsdelle im vierten Quartal dürfte die Wirtschaft im nächsten Jahr wieder expandieren. Das Statistische Bundesamt hat heute seine erste Schätzung für die Entwicklung des BIP im dritten Quartal 2012 in Deutschland veröffentlicht. Danach hat es einen Zuwachs von 0,2% gegenüber dem Vorquartal gegeben.

Die Wirtschaftsleistung des Vorjahresquartals wurde um 0,9% übertroffen. Alles in allem liegt das BIP-Niveau 2,0% über seinem zyklischen Hochpunkt aus dem Jahr 2008. Die Ergebnisse der einzelnen BIP-Komponenten werden am 23. November veröffentlicht.

In seiner Presseerklärung wies das Bundesamt heute aber bereits darauf hin, dass der private Verbrauch, der Staatsverbrauch, Bauinvestitionen und der Außenhandel positive Impulse für das Wachstum geliefert haben. Belastende Effekte gingen dagegen von den Ausrüstungsinvestitionen aus.

Das BIP hat sich im dritten Quartal zum dritten Mal in Folge als widerstandsfähig gegenüber den belastenden Effekten der EWU-Staatsschuldenkrise und der auch daraus resultierenden schlechten Stimmungslage gezeigt. Das Wachstumstempo ist im Jahresverlauf zwar gesunken. Aus unserer Sicht ist es aber als Erfolg zu werten, dass die Wirtschaftsleistung trotz der schwächeren Weltwirtschaft und des anhaltenden EWU-Krisenumfeldes bisher beständig zugenommen hat. Dies wird sich im laufenden Quartal wohl ändern.

Ein starkes Signal geht hierfür bereits vom Auftragseingang in der Industrie aus, dessen Rückgang sich zuletzt beschleunigt hat. Da ein Ende der globalen Wachstumsschwäche und weniger intensive Staatsschuldenkrise(n) kurzfristig nicht in Sicht sind, dürfte eine Trendumkehr hier vorerst ausbleiben. Dies spricht für eine weiter sinkende Kapazitätsauslastung und damit für ungünstige Vorgaben für Investitionen und Exporte. Wir erwarten, dass das BIP im vierten Quartal leicht schrumpfen wird.

Zu mehr als einer Wachstumsdelle dürfte es aber nicht kommen. Etwas mehr weltwirtschaftliches Wachstum 2013, die hohe Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft, anhaltend günstige Finanzierungsbedingungen und eine abnehmende Krisenintensität aufgrund möglicher EZB-Staatsanleihekäufe sprechen u. E. dafür, dass sich die konjunkturellen Auftriebskräfte stärker durchsetzen werden. Nach voraussichtlich 0,7% (vorbehaltlich der BIP-Details für das dritte Quartal 2012) in diesem Jahr dürfte das BIP-Wachstum 2013 um 0,9% zunehmen.

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