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Politik

Griechenland - eine humanitäre Katastrophe mitten in Europa

Griechenland muss sich angesichts bestehender Verhältnisse reformieren, dies steht außer Frage. Unter welchen, menschlich völlig inakzeptablen Umständen sich diese Prozesse entwickeln, kann niemanden unbeteiligt lassen. Oder etwa doch? Vor den Augen jener Euro-Retter, die sich im Licht vermeintlich erfolgreicher Reformen sonnen, spielt sich eine humanitäre Katastrophe ab.

Ursula Pidun

Das wirft ein Bild auf eine europäische Gesellschaft, die sich im Rausch vermeintlich erforderlicher Super-Reformen zur Sicherung der kontinentalen Wettbewerbsfähigkeit sowohl von sozialen als auch von ethischen Aspekten verabschiedet hat. Schmach und Häme überzieht unser Nachbarland und drückt es unverdient in die Schmuddelecke Europas.

Menschen wühlen im Müll

Während sich das einst so stolze Griechenland spürbar schämt und mit geballten Kräften aus dem Sumpf zu ziehen versucht, wühlen viele Bürger des krisengeschüttelten Landes - Kinder inklusive - bereits im Abfall nach Essbarem herum, um die nächste Tage zu überleben. Kranken und alten Bürgern werden Medikamente und ärztliche Hilfestellungen versagt, die Selbstmordrate steigt kontinuierlich. Obdachlosigkeit greift zunehmend um sich und die letzten Reste einer funktionsfähigen Infrastruktur fallen endgültig in sich zusammen. "Selbst schuld", schallt es aus anderen europäischen Staaten – allen voran einmal mehr aus Deutschland. Sinnvolle Hilfen werden dem EU-Partner schlichtweg vorenthalten. Der "Freund" soll zusehen, wie er sich aus der Bredouille kämpft.

Schulden bis zur Halskrause

Statt Masterplan, wie er den Deutschen beispielsweise nach dem unvergleichlichen Desaster des Zweiten Weltkriegs von echten Stützen dieser Welt zuteil wurde, fuchteln ewig Besserwissende mit erhobenen Zeigefingern Richtung Athen. Gerade so, als seien sie selbst über jeglichen Zweifel erhaben. Angesichts eigener Schulden bis zur Halskrause (trotz Steuereinnahmen in nie gekannten Höhen) ein Märchen, das geschickt verpackt in diverse Vertuschungsprogramme nicht so aufzufallen droht. Umsichtiges Haushalten und eine Ausgabenpolitik im Sinne des Gemeinwohls wird schließlich auch in der BRD zunehmend zur Mangelware.

Spardiktat unter Aufsicht der "Troika"

Zuwendung wird den Griechen einzig in Hinblick auf ein rigides Spardiktat zuteil, das bis ins kleinste Detail von der sogenannten "Troika" diktiert wird. Dies geht soweit, dass selbst in Gesetzgebungsverfahren des EU-Partners von außen eingegriffen wird. Es schont die Verursacher des Desasters und bestraft Unschuldige auf unangemessene und völlig inakzeptable Weise. Nur wenn sich Griechenland den Anordnungen von außen unterwirft, kann es auf die finanzielle Hilfen hoffen, die zum größten Teil direkt den Banken zu Gute kommen. Ansonsten wird sanktioniert, lautet die gebetsmühlenartig gepredigte Drohgebärde. Ein Programm übrigens, das peu à peu auch jedem anderen Mitgliedsland wie ein Fangnetz übergestülpt wird. Ein EU-Land nach dem anderen wird sich den Spar-Diktaten unterwerfen, die vermeintliche Musterschüler Europas ihnen aufoktroyieren. Eine gigantische Ausweitung des Niedriglohnsektors zum Beispiel. Renten unterhalb der Existenzfähigkeit, immer längere Lebensarbeitszeiten und Sozialsysteme, die den Namen nicht mehr verdienen, weisen den Weg in die Zukunft. Fortschritt für die Menschen in Europa? Fehlanzeige!

Was haben die "Macher" aus Europa gemacht?

Die Euro-Krise kommt gelegen, um dem Europäer zu suggerieren, er habe keine andere Wahl. Auf Dauer aber werden die Menschen solche Verhältnisse nicht akzeptieren. Immer dann, wenn es vermeintlich keine Wahl gibt und "Alternativlosigkeit" regiert, stehen auch demokratische Verhältnisse zur Disposition. Was haben die "Macher" aus Europa gemacht? Unternehmen müssen den Menschen dienen, nicht umgekehrt. Wer letztendlich Heerscharen an Billig-Arbeitskräften generieren will, der sollte dies klar und deutlich formulieren, damit er abgewählt wird. Die humanitäre Katastrophe in Griechenland ist jedenfalls erst der Beginn einer politisch begründeten Entwicklung, die alles Mögliche verdient - nicht aber gegenseitiges Schulterklopfen, Europa- und Friedensnobelpreise oder gar eine Wiederwahl.

Griechenland benötigt Direkthilfen

Griechenland benötigt den Schuldenschnitt, es gibt keinen anderen Weg. Hungernde Bürger benötigen zudem direkte Zuwendungen an der Regierung vorbei und die Jugend kann nur mittels echter Perspektiven der Verzweiflung entkommen. Schließlich sollte Griechenlands Wirtschaft mit einem Hilfsprogramm zur Ankurbelung von Investitionen gestützt werden. Geschieht dies alles nicht, wird aus einem vereinten Europa ein gespaltener Kontinent. Deutlich eher, als es sich jene vorstellen können, die sich angesichts vermeintlicher Leistungen fortdauernd feiern und vom Applaus berauschen lassen. Wer dem Elend weiter zuschaut, ohne der humanitären Katastrophe entgegenzuwirken, hat in einem politischen Amt nichts mehr verloren.

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