Deutsche Industrie verzeichnet anhaltende Schwäche beim Auftragseingang
Im Zuge schwacher Klimaindikatoren hat der Auftragseingang in der deutschen Industrie seinen Abwärtstrend im August fortgesetzt. Eine Trendwende ist nicht in Sicht, weshalb der Auftragsbestand und die Kapazitäts-auslastung noch sinken dürften. Dies sind ungute Vorzeichen für das BIP im vierten Quartal 2012.
Die deutsche Industrie hat im August 1,3% weniger Aufträge als im Juli erhalten (Juli: revidiert +0,3%). Die Vorjahresrate nahm von -4,7% auf -5,2% ab, damit war sie zum zehnten Mal in Folge negativ. Die Aufträge liegen nun 5,9% unter ihrem Vor-Lehman-Niveau; dieses hatten sie im ersten Halbjahr 2011 bereits übertroffen.
Ursächlich für den Rückgang war vor allem der Auftragseingang im Inland, der im Vormonatsvergleich um 3,0% abnahm (Juli: +1,0%). Der Auftragseingang aus dem Ausland hat hingegen stagniert; dies war schon bereits um Juli der Fall (+0,1%).
Das weltwirtschaftliche Umfeld und die Stimmungsindikatoren signalisieren, dass die seit Mitte 2011 andauernde Abwärtsentwicklung des Auftragseingangs demnächst bestenfalls in eine Seitwärtsbewegung übergehen wird. Der ifo-Geschäftsklimaindex hat den Abwärtstrend unter seinem gleitenden 10-Jahresdurchschnitt zuletzt fortgesetzt und der Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe liegt – trotz aktueller Verbesserung – noch unter der Expansionsschwelle. Zudem sind die Exporterwartungen seit Mai stark gefallen. Für die nächsten Monate erwarten wir, dass der Auftragsbestand noch abnehmen und sich die Kapazitätsauslastung verringern wird.
Hierfür spricht auch die schwelende EWU-Staatsschuldenkrise. Seit die Feuerkraft von ESM und EZB gesichert ist, tendiert das Risiko eines unmittelbaren Staatsbankrotts zwar gegen null. Die Haushaltskonsolidierung wird dadurch für die EWU-Staaten aber nicht ersetzt. Vielmehr verschiebt die Intensivierung letzterer (jüngst in Frankreich, Griechenland, Spanien) die Perspektive derzeit von den Rettungsmechanismen hin zu der Frage, ob die Reformpolitik angesichts der massiven Proteste in der Bevölkerung von Dauer sein kann. Aus Unternehmenssicht bleibt die Unsicherheit, ob und in welcher Zusammensetzung die EWU überleben wird, daher zunächst bestehen. Für Investitionen sind dies fürs Erste ungünstige Rahmenbedingungen.
Verglichen mit dem ersten Halbjahr 2012 erwarten wir für die zweite Jahreshälfte unverändert eine merklich abnehmende Wachstumsdynamik. Bei moderat zunehmenden weltwirtschaftlichen Impulsen dürfte die Konjunktur 2013 aber wieder Fahrt aufnehmen. Unsere BIP-Prognosen für 2012/13 liegen weiter bei 0,7% bzw. 0,9%.
