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Wirtschaft

EZB betreibt feinste Salami-Taktik

Die EZB hat aktuell zwar formal die Reduzierung ihrer monatlichen Wertpapierkäufe ab Oktober beschlossen, nicht aber deren Ende. Dies wird im Oktober wohl für das Jahresende erfolgen. Im Dezember dürfte die EZB dann Licht ins Dunkel ihrer künftigen Reinvestitionspolitik bringen. Eine Kommentierung von Dr. Alexander Krüger

Dr. Alexander Krüger

Der EZB-Rat hat heute auch formal beschlossen, seine monatlichen Wertpapierkäufe ab Oktober von 30 auf 15 Mrd. € zu senken. Das für Dezember avisierte Kaufende bleibt weiterhin daran gebunden, das die mittelfristigen Inflationsaussichten von den neu verfügbaren Daten bestätigt werden. Der Deckel auf der wachsenden EZB-Bilanzsumme schließt sich, geschlossen ist er aber noch nicht. Offen bleibt, wie die aus Wertpapieranlagen erzielten Erlöse und fällige Titel ab Januar reinvestiert werden. Darüber sei nicht diskutiert worden, erklärte EZB-Präsident Mario Draghi.

Wachstumsoptimismus bleibt erhalten

Seinen Wachstumsoptimismus hat der EZB-Rat trotz der aus seiner Sicht höheren Risiken beibehalten. Die BIP-Projektion für 2018 und 2019 senkte er zwar von 2,1 auf 2,0 % bzw. von 1,9 auf 1,8 %, behielt sie mit 1,7 % für 2020 aber bei. Keine Bewegung gab es bei den Inflationsprojektionen, die für 2018­20 bei jeweils 1,7 % verblieben. Bestätigt hat der Rat zudem seine Forward Guidance. Dort geht er davon aus, dass die Leitzinsen „mindestens über den Sommer 2019 (…) auf ihrem aktuellen Niveau bleiben werden“.

Den konkreten Zeitpunkt und die Art des Zinserhöhungsauftakts ließ der Rat damit erneut offen. Für uns ist dies nachvollziehbar, da er sich bereits im Juni für einen langen Zeitraum festgelegt hat. Mehr kann der Rat nicht liefern, da sich die Konturen des in einem Jahr bestehenden fundamentalen Umfeldes derzeit nur schemenhaft abzeichnen und die Konjunkturrisiken hoch sind.

Noch keine Klarheit bezüglich Leitzinserhöhung

Mit ihrem Vorgehen macht die EZB nochmals klar, dass der ultra-expansive Expansionsgrad nur scheibchenweise zurückgedreht wird. Die nächsten Kapitel drehen sich nun um das Wertpapierkaufende, das künftige Reinvestitionsmuster und den Zeitpunkt einer Leitzinserhöhung. Mit Ausnahme der Leitzinsen wird es hier wohl noch 2018 Klarheit geben. Das Kaufende dürfte im Oktober formal für das Jahresende beschlossen und das Reinvestitionsmuster im Dezember benannt werden.

Für letzteres erwarten wir, dass die EZB am Kapitalschlüssel zunächst festhalten und sich auf längere Laufzeiten erst später konzentrieren wird. Die Flexibilität hierfür dürfte sie sich insbesondere mit Blick auf die noch anfälligen EWU-Staatshaushalte erhalten. Zudem dürfte sich die EZB auf ein Reinvestitionsende noch lange nicht festlegen. Der Leitzinsausblick wird sich unseres Erachtens erst 2019 langsam aufhellen. Wir rechnen unverändert mit einer Einlagesatzerhöhung für September 2019 und einer umfassenden Leitzinsanhebung frühestens für Dezember 2019.

Verweise:

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