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Politik

Silvesteransprache - mit Floskeln in das neue Jahr

Wirklich Fundamentales und objektive Blicke auf die Krisen dieser Zeit inklusive der Erläuterung aussagekräftiger Lösungskonzepte lassen sich in Feiertagslaune wohl nur schwerlich vermitteln. So mussten sich die Bürger anlässlich der aktuellen Ansprache von Angela Merkel am Silvesterabend auch diesmal mit Floskeln aller Art zufriedengeben. Unser Kommentar!

Marlen Albertini

Eine Ansprache an die Bürger ohne nennenswerten Mehrwert. (Foto: Screenshot YouTube)
Eine Ansprache an die Bürger ohne nennenswerten Mehrwert. (Foto: Screenshot YouTube)

In Deutschland ist es nicht üblich, dass ein Kanzler bzw. eine Kanzlerin anlässlich maßgeblicher Krisen eine Rede zur Lage der Nation hält, wie dies etwa in den USA der Fall ist. Die politische Kommunikation findet im Parlament statt und wird darüber hinaus indirekt über die Medien via Interviews, "Was nun, Frau Merkel?" & Co. abgewickelt. Direkte Ansprachen zum Volk gibt es in unausweichlicher Tradition lediglich zu Weihnachten und zu Silvester. Das ist nicht nur bedauerlich, sondern in Hinblick auf einen modernen, demokratischen Staat auch höchst defizitär.

Unerlässliche Offenbarung gegen Krisen aller Art

Wirklich Fundamentales und objektive Blicke auf die Krisen dieser Zeit inklusive aussagekräftiger Erläuterungen möglicher Lösungskonzepte lassen sich innerhalb allgemeiner Feiertagsstimmung wohl nur schwerlich vermitteln. Andererseits genügt es wohl nicht, einfach ein gutes neues Jahr zu wünschen. So mussten sich die Bürger anlässlich der aktuellen Ansprache von Angela Merkel am Silvesterabend auch diesmal wieder mit Floskeln, schlichten Formulierungen, Beschönigungen und der obligatorischen Beruhigungspille als vermeintlich unerlässliche Offenbarung gegen Krisen aller Art zufriedengeben. Mit zündendem Optimismus hat das wenig zu tun. Mit Verdrängung von Defiziten und dem Wunsch, unbedingt politische Erfolge projizieren zu wollen, schon eher.

Wer allerdings in Berlin das bis heute andauernde Desaster am LAGeSo hautnah miterlebt, kann das unerträgliche Behördenversagen der letzten Monate nicht einfach mit leeren Worthülsen übergehen. Die Zustände waren in weiten Teilen so katastrophal, dass die Würde der Menschen – hier explizit der Geflüchteten - alles andere als unangetastet blieb. Das gebetsmühlenartige „Wir schaffen das“ der Kanzlerin schlägt sich seitens der Verantwortlichen in absolut unzureichenden Lösungsstrategien nieder und wird lediglich entschärft von dem „Wir machen das“ unglaublich engagierter Bürger, die über viele Monate zum Nulltarif die Arbeit der Behörden übernehmen.

Den Ist-Zustand beim Namen nennen

Ein offenes Wort zu den bestehenden Zuständen und Mängeln wären allemal zuträglicher als stereotype Wortkreationen einer im Wesen immer gleichen Silvesteransprache. Eine solche Rede - besonders in diesen Zeiten - degradiert Bürger zu vermeintlich ahnungslosen Zuhörern, die mit fragwürdigen Streicheleinheiten versorgt oder im Falle von Kritik zur Ordnung gerufen werden. Authentische Inhalte, die den Ist-Zustand beim Namen nennen inklusive der erforderlichen Eigenkritik? Fehlanzeige! Deutschland fehlt es an politischer Authentizität und Ermutigung zur Stärkung einer lebendigen Diskussions- und Kommunikationskultur und nicht etwa an wohlklingenden Sonntagsreden zu Weihnachten und zum neuen Jahr.
 
 

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