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Wirtschaft

Deutsches BIP wächst, aber die Molltöne bleiben

Der ersten Schätzung des Statistischen Bundeamtes zufolge ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Deutschland im ersten Quartal 2015 um solide 0,3% ggü. dem Vorquartal gestiegen. Im Vorgriff auf die BIP-Details am 22. Mai erklärte das Amt, dass der private Verbrauch, der Staatsverbrauch und die Investitionen das Wachstum stimuliert haben. Belastende Impulse sind dagegen vom Außenhandel ausgegangen. Eine Kommentierung von Dr. Alexander Krüger.

Dr. Alexander Krüger

Das deutsche Bruttoinlandsprodukt ist mit 0,3% gegenüber dem Vq. zu Jahresbeginn robust gewachsen. Haupttreiber waren der private Verbrauch und die Investitionen. Da die Weltwirtschaft lediglich verhalten wächst und der Aufschwung vor allem auf Sonderfaktoren beruht, halten wir eine defensive Prognosehaltung weiterhin für angebracht.

Aufschwung als Resultat des kräftigen Konsums

Es steht außer Frage: Das deutsche Wachstum kommt derzeit dynamisch daher. Unserer Prognose zufolge wird es im Jahresdurchschnitt 2015 zum sechsten Mal in Folge über dem EWU-Durchschnitt liegen. Auf den zweiten Blick scheint die Konjunktursonne jedoch nicht so hell, wie es häufig dargestellt wird. Denn wichtiger als der numerische Wert der Wachstumsrate sind ihre Treiber. Hier zeigt sich, dass der Aufschwung vor allem das Resultat des kräftigen Konsums ist. Dieser profitiert von robusten Lohnzuwächsen und gestiegenen Haushaltseinkommen durch den Rohölpreisrückgang. Die klassischen Treiber eines Aufschwungs, Investitionen und Exporte, entwickeln sich dagegen ohne Schwung. Daran wird sich aufgrund der durchwachsenen Auftragslage in der Industrie wohl vorerst auch nichts ändern.

Sonderfaktoren, die im Moment willkommen sind

Wir sind weiter der Ansicht, dass der aktuelle Aufschwung der Kategorie zweiter Klasse zuzuordnen ist. Er beruht auf Sonderfaktoren (Rohölpreis, Euro, Geldpolitik), die für den Moment zwar willkommen sind, von denen aber niemand weiß, wie lange sie tragen. Deutsche Wirtschaftspolitiker haben auf sie jedenfalls keinen Einfluss. Sich auf Sonderfaktoren zu verlassen, kann daher kein Wachstumsmodell sein.

Die Erfahrungen einiger südeuropäischer Staaten (u. a. Italien) in den 70er und 80er Jahren zeigen (damals: ständige Währungsabwertungen), wie folgenschwer es ist, wenn diese nicht mehr zur Verfügung stehen. Für einen Aufschwung erster Klasse ist es somit wichtig, die Wachstumskräfte mit Strukturreformen zu stärken. Da dies in Deutschland schon lange ausgeblieben ist, überrascht es nicht, dass die preisliche Wettbewerbsfähigkeit gegenüber anderen Ländern stetig abnimmt.

Unsere Prognose:

Unsere BIP-Prognose für 2015 haben wir aufgrund kleinerer Anpassungen beim Wachstumsverlauf von 1,5% auf 1,6% angehoben (0,8 Prozentpunkte gehen auf statistische Effekte zurück). Damit bleibt unsere Prognose weiter defensiv ausgerichtet. Am vorwiegend durch den Konsum getriebenen BIP-Wachstum wird sich wegen des verhalten bleibenden Wachstums der Weltwirtschaft wohl wenig ändern.

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