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Wirtschaft

EZB ohne Überraschung

Die EZB hat den Stand ihrer Geldpolitik heute beibehalten. Ihre Inflationsprojektionen sind bis einschließlich 2015 niedrig; dies gibt ihr Spielraum für eine anhaltende Nullzinspolitik. Wir erwarten, dass die EZB ihre Liquiditätsmaßnahmen demnächst ausbauen wird. Eine Kommentierung von Dr. Alexander Krüger.

Dr. Alexander Krüger

Die EZB hat das Leitzinsniveau auf ihrer heutigen Ratssitzung beibehalten. Nach der überraschenden Zinssenkung im November, deren Motiv nach wie vor nur schemenhaft erkennbar ist, steht die Notenbank damit bei einem Einlagesatz von 0,0% weiter auf der Schwelle zu negativem Terrain. Ebenfalls unverändert beließ die EZB den Stand ihrer unkonventionellen (Liquiditäts-)Maßnahmen.

Wachstumsrisiken abwärts gerichtet

Ihre BIP-Projektionen hat die EZB kaum verändert. Für 2013 erwartet sie weiter einen Wachstumsrückgang um 0,4% gegenüber dem Vorjahr und für 2014 einen Zuwachs von 1,1% (vorher 1,0%). Ihre erstmals für 2015 vorgestellte Projektion beträgt 1,5%. Die Wachstumsrisiken sieht sie weiter als abwärts gerichtet an.

Preisziel wird unterschritten

Die Inflationsprojektionen sind gesenkt worden. Für 2013/14 betragen sie 1,4% und 1,1% (vorher 1,5% / 1,3%) sowie 1,3% für 2015. Die EZB erwartet somit, dass sie ihr Preisziel von unter, aber nahe 2,0% für längere Zeit klar unterschreiten wird. Die Risiken für ihren Ausblick sieht sie als ausgeglichen an.

Draghi sieht EZB für negativen Einlagesatz gerüstet

Der Inflationsausblick gibt der EZB Spielraum für eine länger andauernde Nullzinspolitik. Ihre Forward Guidance besagt weiterhin, dass die Leitzinsen "für eine längeren Zeitraum" auf "dem aktuellen oder einem niedrigeren Niveau" erwartet werden. Hinweise auf eine baldige Leitzinssenkung gab es nicht. Draghi wiederholte, dass die EZB technisch für einen negativen Einlagesatz gerüstet ist.

Negativzinsen bergen Gefahren

Indem sich die EZB alle Optionen offen hält, vermittelt sie den Eindruck, die Zügel weiter in der Hand zu halten. Hinsichtlich der Leitzinspolitik dürfte sie aber an eine Grenze gestoßen sein. Sie kann die Leitzinsen zwar weiter senken, die Kreditvergabe der (südeuropäischen) Banken wird sich dadurch aufgrund matter Konjunkturaussichten aber wohl dennoch nicht erhöhen. Mit Blick auf die Erfahrungen anderer Länder mit Negativzinsen besteht zudem die Gefahr, dass die anfallenden Kosten umgelegt und die Kreditzinsen steigen werden.

Fokus liegt auf Liquiditätsmaßnahmen

Wir erwarten, dass die EZB ihre Handlungsfähigkeit weiter zelebrieren wird. Zu einer Leitzinssenkung dürfte es dabei aber nicht kommen. Mit Blick auf die bis Mitte 2015 andauernde Vollzuteilung für Refinanzierungsgeschäfte, die gesunkene EZB-Bilanzsumme und den heutigen Hinweis Draghis auf die vorhandene EZB-Artillerie wird sich der Fokus wohl eher auf neue Liquiditätsmaßnahmen richten. Hierbei dürften ein (zweckgebundener) Langfristtender und eine geringere Sterilisierung der SMP-Anleihekäufe bevorzugt werden.

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