Europa - Kontinent der Unbarmherzigkeit
Die Toten vor Lampedusa sind Folge der immer effektiveren Abriegelung der europäischen Außengrenzen, beklagt Pro Asyl. Die Menschenrechtsorganisation fordert, Flüchtlingen den legalen und gefahrenfreien Weg nach Europa zu eröffnen, um das Massensterben endlich zu beenden.

Das Entsetzen der menschlichen Tragödie vor Lampedusa ist groß und zwingt zum sofortigen Handeln. Die bisherige Asylpolitik ist restlos gescheitert und setzt den gesamten Kontinent in ein Licht der Unbarmherzigkeit. Mit Trauer, Wut und Empörung hat auch die Menschenrechtsorganisation Pro Asyl auf das Sterben von schutzsuchenden Menschen vor Lampedusa reagiert. Die Organisation fordert ein Umdenken und einen Neubeginn in der Flüchtlingspolitik.
"Europa schließt seine Grenzen und heuchelt dann Betroffenheit, wenn die Folgen des Ausbaus zur Festung sichtbar werden",
kritisiert Günter Burkhardt, Geschäftsführer von Pro Asyl angesichts der menschlichen Katastrophe vor Lampedusa. Die Organisation fordert die Öffnung der Grenzen Europas für Flüchtlinge. Die Toten vor Lampedusa seien die Folge der immer effektiveren Abriegelung der europäischen Außengrenzen.
Landesgrenze zur Türkei abgeriegelt
In den letzten Monaten hatte die EU vor allem die Landgrenze zur Türkei für Schutzsuchende abgeriegelt. Damit wurde einer der wichtigsten Fluchtwege nach Europa verschlossen. Die Folge ist, dass Flüchtlinge nun wieder verstärkt auf den noch gefährlicheren Weg über das offene Meer ausweichen, erläutert Pro Asyl. Angesichts dessen sei es überaus zynisch, wenn nun angesichts der Toten EU-Kommissarin Cecilia Malmström eine noch härtere Grenzüberwachung fordert.
Die Schwedin teilte über den Kurznachrichtendienst Twitter mit:
"Wir müssen unsere Anstrengungen verdoppeln im Kampf gegen Schleuser, die menschliche Hoffnungslosigkeit ausbeuten."
Die zentrale Verantwortung der EU
Auch Bundesinnenminister Friedrich bezog in den vergangenen Tagen mit ähnlichen Worten Stellung zu diesem Desaster. Pro Asyl Europareferent Karl Kopp entgegnete hierzu, dass dies "die zentrale Verantwortung der EU und ihre Mitgliedsstaaten an diesem Massaker im Mittelmeer" ausblende. Wer dieses Massensterben beenden will, müsse Flüchtlingen den legalen und gefahrenfreien Weg nach Europa eröffnen. Nur eine andere Flüchtlingspolitik, die beispielsweise Flüchtlinge aus Somalia oder Eritrea aus dem libyschen Transit legal einreisen lässt, könne derartige Tragödien verhindern.
Europäische Abschottungspoltik
Pro Asyl beklagt, dass in Deutschland zahlreiche Flüchtlinge eritreischer und somalischer Herkunft leben, die zusehen müssten, wie Angehörigen und Freunde verzweifelt vor den geschlossenen Grenzen Europas stehen. Sie müssten deshalb lebensgefährliche Fluchtrouten auf sich nehmen. Eine der Fluchtrouten eritreischer Flüchtlinge führt durch den Sinai. Dort werden hunderte eritreische Flüchtlinge gekidnappt und gefoltert, bis ihre Verwandten Lösegeld entrichten. Auch dies sei eine Folge der europäischen Abschottungspolitik.
Die verschlossenen Türen Europas
Die Länder Europas dürfen nicht länger zusehen, wie Flüchtlinge aus Kriegs- und Krisengebieten vor verschlossenen Grenzen stehen und dann verzweifelt versuchen, ihr Leben zu retten und dabei elend zugrunde gehen. PRO ASYL fordert einen völligen Neubeginn in der Flüchtlingspolitik Europas. Die Abschottungspolitik der beiden letzten Dekaden ist gescheitert. Der tausendfache Tod von Flüchtlingen an den Außengrenzen Europas bedeutet den moralischen Bankrott der Flüchtlings – und Menschenrechtspolitik der EU.
