EZB erteilt höheren Geldmarktzinsen Absage
Die EZB hat ihre Forward Guidance heute bekräftigt und erklärt, alle Instrumente am Geldmarkt anzuwenden. Dies zeigt erneut, dass sie an höheren Geldmarktzinsen kein Interesse hat. Ob verbale Erklärungen auf Dauer ausreichen werden, bleibt abzuwarten. Ein neuer Langfristtender ist wahrscheinlicher als eine Leitzinssenkung. Eine Kommentierung von Dr. Alexander Krüger.
Der EZB-Rat hat heute entschieden, das Leitzinsniveau beizubehalten und die unkonventionellen Maßnahmen unverändert fortzusetzen. Sein Statement enthält weiterhin den Passus, dass die Geldpolitik solange akkomodierend bleiben
wird, wie dies notwendig sei und dass die Leitzinsen "für eine längeren Zeitraum" auf "dem aktuellen oder einem niedrigeren Niveau" erwartet werden. Bedingung hierfür bleibt ein unverändert gedämpft bleibender EZB-Inflationsausblick.
Langsame Konjunkturerholung
Die EZB rechnet weiter mit einer langsamen Konjunkturerholung, für die sie Abwärtsrisiken sieht. Hinsichtlich des Inflationsausblicks gibt sie sich unverändert entspannt und erwartet die Inflationsrate für die nächsten Monate auf niedrigem Niveau. Die Inflationsrisiken sieht sie als "noch weitgehend ausgeglichen" an. Einige EZB-Ratsmitglieder (u. a. Asmussen, Coeure, Draghi, Mersch) haben jüngst verbal gegen höhere Geldmarktzinsen interveniert. Hierzu und über die Forward Guidance hinaus hat EZB-Präsident Draghi heute zudem bekräftigt, dass die EZB bereitstehe, alle vorhandenen Instrumente am Geldmarkt anzuwenden. Dies unterstreicht, dass der Notenbank an höheren Geldmarktzinsen nicht gelegen ist.
Leitzinssenkung nicht vom Tisch
Da der Druck auf diese durch eine wiederauflebende Diskussion über den Fed-Ausstieg spätestens Ende 2013 zunehmen dürfte, wird die EZB wohl zunehmend gedrängt werden, ihren Worten auch Taten folgen zu lassen. In der Pressekonferenz
verwies Draghi auf eine Vielzahl von Möglichkeiten, u. a. auf die Bereitstellung eines neuen Langfristtenders. Die EZB kann aber auch eine Koppelung der niedrigen Leitzinsen an bestimmte (Inflations-)Daten (á la BoE, Fed) erwägen.
Wir erwarten, dass die EZB die Leitzinsen auf Jahressicht unverändert belassen wird. Eine Leitzinssenkung, über die der EZB-Rat heute erneut diskutiert hat, ist zudem nicht vom Tisch.
Tropf der Notenbank wird noch benötigt
Das im zweiten Halbjahr 2013 voraussichtlich mit Miniraten wachsende BIP lässt diese aber nicht als dringlich erscheinen, zumal die EZB darauf hingewiesen hat, dass die Geldpolitik beginnt, positiv in der Realwirtschaft zu wirken. Anders sieht es diesbezüglich jedoch hinsichtlich des südeuropäischen Bankensektors aus, der den Tropf der Notenbank zumindest in der aktuellen Dosierung vorerst noch benötigen dürfte. Vor diesem Hintergrund dürfte sich die Notenbank daher eher auch auf die bei der Reparatur des Transmissionskanals helfenden unkonventionellen Maßnahmen konzentrieren.
- Empfehlung: Interview mit Dr. Alexander Krüger:
"Die Einteignung findet bereits statt"
