Da legst di nieda! Bayern-Wahl mit FDP-Mitleidseffekt
Dass die CSU bei der Landtagswahl in Bayern als Sieger hervorgehen wird, war so sicher wie das Amen in der Kirche. Wäre da nicht der FDP-Mitleidseffekt, den die CDU-Granden so scheuen, wie der Teufel das Weihwasser, könnten sich auch die Schwesterpartei CDU von Herzen freuen. Ein Kommentar von Marlen Albertini.

Eine satte Mehrheit erhofft sich die CSU am Wahl-Abend in Bayern. Rund 48 Prozent sagen die Umfrage-Institute dieser Landtagswahl nur eine Woche vor der Bundestagswahl voraus. Eigentlich ein Grund zur Freude für Seehofer, Merkel & Co., wäre da nicht der teuflische FDP-Mitleidseffekt. Er könnte zumindest für die Christdemokraten die Suppe ganz schön versalzen. Der nämlich tritt dann zutage, wenn die FDP schlapp macht im schönen Bayern mit den saftigen Wiesen, üppigen Kühen und einer rundlaufenden Wirtschaft, um die dieses Bundesland so glühend beneidet wird.
Mitleid mit der FDP?
Die FDP, die bei der letzten Bayern-Wahl im Jahre 2008 erstmals nach 14 Jahren wieder mit in den Landtag einziehen durfte, strauchelt aktuell kräftig herum. Gut möglich, das sie mit geschätzten drei bis vier Prozent diesmal nicht mehr die Hürde nimmt, um in Bayern weiter mitmischen zu können. Geschieht nicht noch ein Wunder in letzter Minute, so fliegt sie also heute Abend komplett aus dem Landtag heraus.
Daraus könnte sich Mitleid für die in Bayern untergegangene FDP entwickeln, das sich schnell auf die Bundestagswahl überträgt und schließlich am 22. September zu einem Zweitstimmen-Desaster für die CDU führt. Denn auf Bundesebene wollen die Christdemokraten gerne erneut mit den Freidemokraten koalieren. So, wie die FDP aktuell auch auf Bundesebene strauchelt und nahe um die Fünf-Prozent-Hürde herum galoppiert mit bester Aussicht, komplett in den Abgrund zu rutschen, ginge das wohl nur mit einer Zweitstimmenstärkung pro FDP.
Spendable Zweitstimmen werden zum Bumerang
Somit kommen für die Bundestagswahl Unions-Wähler ins Spiel, die ihre Zweitstimme der FDP spendieren, in der Hoffnung, damit könnte ein Ausscheiden der Liberalen aus dem Bundestag und der Verlust des freidemokratischen Koalitionspartners verhindert werden. Ein Mitleidseffekt, der so schieflaufen kann, wie damals bei der Landtagswahl in Niedersachsen. Nachahmung also nicht unbedingt empfohlen.
Ohnedies sollte eine Partei, die es aus eigenen Kräften nicht schafft, erst einmal selbst wieder fliegen lernen, bevor sie das Volk vertreten darf. Gerade die FDP weiß doch am besten, dass es leistungslosen Wohlstand nicht gibt. Die CDU kann sich - wenn sie sich schon für derart unverbesserlich, autak und fähig hält - derweil das schöne Sprichwort der britischen Schriftstellerin Daphne du Maurier (1907-1989) zu Herzen nehmen, das da lautet:
Wer fliegen kann,
sollte nicht seine Schwingen aus Mitleid mit den Fußgängern abwerfen;
er soll lieber das Fliegen lehren.
Horst Seehofer (CSU) und Herausforderer Christian Ude (SPD) im TV-Duell:
