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Politik

Propaganda-Show für die Bundeskanzlerin

Auf die öffentlich-rechtlichen Sender ist Verlass. Wenige Wochen vor der Bundestagswahl setzte das ZDF am vergangenen Dienstag die Kanzlerin perfekt in Szene. Kritisches gab es nicht zu berichten. Dafür Propaganda am laufenden Band. Mit Journalismus hatte das nichts zu tun. Ein Kommentar von Roland Hermanns.

Roland Hermanns

Geht es nach dem öffentlich-rechtlichen ZDF und den Autoren Bettina Schausten und Mathis Feldhoff, so wird Deutschland von einer makellosen Über-Kanzlerin regiert, die für jedermann nur Gutes tut. Eine TV-Präsentation so ganz nach dem Geschmack der Bundeskanzlerin und ihrem (Wahlkampf)-Team mit dem unmissverständlichen Titel "Macht Mensch Merkel" flimmerte am vergangenen Dienstag zur besten Sendezeit in die Wohnstuben der Deutschen. Gerade erst aus dem Urlaub zurück, hob die ZDF-Jubelshow die Anwärterin auf das Kanzleramt auf ein für Konkurrenten schier unerreichbares Podest. Dabei wurde keine Gelegenheit ausgelassen, um jedweder Kritik an Angela Merkel schon im Vorfeld tunlichst aus dem Weg zu gehen.

Lobgesang statt sachbezogene Kritik

Da wundert es wenig, wenn überwiegend auf Linie getrimmte politische Kollegen zu Wort kommen und aufs Wort parieren. Ursula von der Leyen und Wolfgang Schäuble etwa dominieren den Beurteilungskatalog. Journalistisches Know-how sollte wohl durch der Einsatz von Gegenspielern wie etwa Gregor Gysi (DIE LINKE) und Katrin Göring-Eckardt (GRÜNE) unter Beweis gestellt werden. Deren Kritik kam allenfalls leise über die Lippen und verhallt schnell im Nirwana, da nichts wirklich Wesentliches zur Sprache kam. Daran ändern konnten auch Statements von Redakteuren bekannter Medien nichts. Deutschen Journalisten fehlt häufig der gewisse Biss und man gibt sich gerne mit "Non-Antworten" zufrieden. So mancher Medienexperte zeigt übertriebene Angst vor Autoritäten und einen unangemessen überhöhten Respekt vor einem hohen Amt. Man möchte den "Draht nach oben" nicht verlieren und hält Kritik zurück. So mancher temporär regierende Volksvertreter sieht sich daher nicht in der Pflicht, ordentliche Auskünfte zu geben und floskelt nurmehr herum.

Seht her, ich bin für euch da

Was nur werden die Wähler und Zuschauer also von einer solchen Wahlwerbung im Mantel einer "Dokumentation" halten? Wer ehrlich bleibt und redlich urteilt, schlägt angesichts eines derart schöngefärbten Beitrags zu prominenter Sendezeit die Hände über dem Kopf zusammen. Auch und vor allem über einen Sender, der sich einmal mehr den Titel "Staatsdiener" im wahren Wortsinn redlich verdient. Das Fazit dieser zähen, langweiligen und schöngefärbten Darbietung kann nur vernichtend sein. Aneinandergereihte Themen wie etwa Euro-Krise und Energiewende, die Merkel scheinbar mit links meistert, werden von bayerischer Blasmusik und niedlichen Bildern händeschüttelnden Merkel-Fans umrahmt. Natürlich fehlt auch die Stippvisite im Kapuzenmantel bei Hochwasser-Opfern nicht, getreu dem Motto: "Seht her, ich bin für euch da!" Ob das tatsächlich stimmt und die Opfer inzwischen ausreichend entschädigt wurden, davon gab es in dieser "Doku" keinerlei Information.

Langeweile und ein ungutes Gefühl

Summa summarum bot das ZDF eine perfekte und sicher autorisierte Wahlkampf-Dramaturgie - freundlich gesponsert von den Gebührenzahlern. So macht Fernsehen Spaß? Zurück bleiben Langeweile und das ungute Gefühl, es mit einem gedopten öffentlich-rechtlicher Sender zu tun zu haben. Und die spannende, aber unbeantwortete Frage, wer aus der Union denn diese sagenumwobene Kanzlerin eines Tages einmal ersetzen kann. Weit und breit sind potente Nachfolger aus den Reihen der Union nicht in Sicht oder wurden wie im Fall Norbert Röttgen – von "Macht Mensch Merkel" auf mehr als fragwürdige und absolut grenzwertige Weise in die Wüste der Bedeutungslosigkeit gedrängt. Ob sich solche Kapriolen und massive, ZDF-geförderte Wahlwerbe-Propaganda für Merkel tatsächlich auszahlen? Am 22. September wissen wir mehr.

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